Wirtschaftskrise
Russland macht sich auf Konjunktureinbruch gefasst

Der Kreml stellt sich trotz aller Beteuerungen der Stärke auf einen Konjunktureinbruch ein. Finanzminister Siluanow fürchtet einen Rückgang von vier Prozent. Firmen leiden unter der Schwäche des Rubel, der weiter fällt.
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MoskauDie russische Regierung stellt sich wegen des rasanten Preisverfalls von Öl und Rubel auf eine Wirtschaftskrise ein. Finanzminister Anton Siluanow sagte am Freitag, die Wirtschaftsleistung könne nächstes Jahr um vier Prozent schrumpfen, sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau von rund 60 Dollar pro Fass bleiben.

Es wäre das erste Mal seit 2009, dass die russische Wirtschaft nicht wächst. Das würde auch den Haushalt des osteuropäischen Landes belasten. Das Defizit würde dann wohl auf über drei Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Für ein ausgeglichenes Budget müsse der Ölpreis steigen, sagte Siluanow.

Der Rubel ist unterdessen erneut auf Talfahrt gegangen. Einen Tag nachdem Siluanow den Kursverfall der russischen Währung für beendet erklärt hatte, verlor der Rubel am Freitag erneut vier Prozent an Wert und notierte am Abend bei mehr als 65 Rubel für einen Euro. Damit endete eine fünftägige Kurserholung, während der der Rubel um bis zu 15 Prozent zugelegt hatte.

Seit Juni hat er sich aber nahezu halbiert, weil das Angebot die Nachfrage deutlich übersteigt und sich die Opec-Länder gegen eine Produktionskürzungen entschieden. Anders als Russland betonte der Top-Produzent Saudi-Arabien, auf eine längere Phase niedriger Ölpreise vorbereitet zu sein und diese durchstehen zu können.

Nach der drastischen Anhebung des russischen Leitzinses im Kampf gegen den Rubelverfall hat Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew eine Normalisierung des Zinsniveaus gefordert. Durch die Erhöhung des Leitzinses auf 17 Prozent Mitte Dezember seien die Zinsen für Kredite auf mehr als 20 Prozent gestiegen, was die Lage für Unternehmer schwierig mache, sagte Uljukajew der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“.

Mit der Erhöhung wollte die Zentralbank die rasante Abwertung der russischen Währung stoppen. „Das ist uns gelungen“, meinte Uljukajew. Experten warnen indes, der Rubel könne weiter fallen.

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