Wirtschaftskrise
Und es geht noch tiefer

Osteuropa versinkt immer tiefer in der Krise. Die Region spürt das volle Ausmaß der Krise, weil sie besonders stark in die globale Wirtschaft eingebunden ist. Etliche Länder brauchen sogar internationale Hilfe um die heimische Wirtschaft zu retten.

WIEN. Osteuropa kann sich der verschärften weltweiten Wirtschaftskrise nicht mehr entziehen. Waren es zunächst nur die Ukraine, Ungarn und Lettland, die auf ein milliardenschweres Unterstützungspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen mussten, wird sich die Zahl der hilfsbedürftigen Länder in den nächsten Wochen wahrscheinlich noch weiter erhöhen. Als ausgemacht gilt, dass auch Rumänien in diesem Jahr auf die Unterstützung von außen angewiesen sein wird. In Finanzkreisen wachsen genauso die Sorgen über Bulgarien, das sich einer zunehmenden Zahl von Firmenpleiten und Privatkonkursen ausgesetzt sieht. Trotz der im Herbst von IWF und EU zugesagten 20 Milliarden Euro verschärft sich die Lage auch wieder in Ungarn.

Im Herbst vergangenen Jahres sind die Hoffnungen noch groß gewesen, Osteuropa könnte sich der Krise entziehen. Bei Wachstumsraten zwischen vier und sieben Prozent über mehrere Jahre hinweg schien die Region fast unverwundbar. Die osteuropäischen Staaten würden zwar Einbußen hinnehmen müssen, würden im Jahr 2009 aber noch zulegen können. Nun hat die Realität diese Hoffnungen zunichte gemacht. „Die Region spürt das volle Ausmaß der Krise, weil sie inzwischen viel stärker in die globale Wirtschaft eingebunden ist“, sagt Erik Berglöf, Chef-Volkswirt der europäischen Entwicklungsbank EBRD. Länder wie Ungarn oder auch die Slowakei sind getroffen, weil ihre Exporte in westeuropäische Staaten massiv schrumpfen.

Der Internationale Währungsfonds rechnet jetzt damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der gesamten Region nicht mehr wie gewohnt wachsen, sondern um 0,4 Prozent schrumpfen wird. Auf die neue Lage reagiert der Währungsfonds mit einer kräftigen Aufstockung seiner Hilfsprogramme. In diesem Jahr will der IWF notleidenden Regierungen Darlehen in Höhe von insgesamt 500 Milliarden US-Dollar bereitstellen, bisher stand nur die Hälfte im Haushaltsplan für 2009. Dieses Geld wird zwar weltweit verteilt, Osteuropa kann aber mit einem großen Anteil rechnen. Seit der Verschärfung der Krise im vergangenen Jahr hat der IWF in den osteuropäischen Ländern bislang etwa 38 Milliarden Dollar als Darlehenshilfe bereitgestellt. Zu den Empfängerländer gehörten auch Weißrussland und Serbien.

Rumänien könnte eines er nächsten Nehmer sein. Dem südosteuropäische Land droht, dass es in diesem Jahr seinen Staatshaushalt nicht mehr aus eigener Kraft ausgleichen kann und deshalb auf Unterstützung von außen angewiesen ist. Die Erste Bank in Wien rechnet damit, dass das rumänische Staatsdefizit etwa fünf Prozent des BIP erreichen wird, trotz des von Premier Emil Boc ausgegeben Sparkurses. Im Raum steht ein Hilfspaket zwischen sechs und sieben Milliarden Euro, das wahrscheinlich spätestens im Frühjahr benötigt würde. Offen ist noch, wer das Geld bereitstellt. Die Rumänen haben bereits öffentlich bekundet, dass sie sich lieber von der EU helfen lassen würden. Der Hintergrund: Rumänien ist EU-Mitgliedsland, die Auflagen für ein Hilfsprogramm sind beim Internationalen Währungsfonds in aller Regel deutlich schärfer.

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