Wirtschaftskrise und Sanktionen
Arm auf Russisch

Russlands Präsident Wladimir Putin sagt, das Schlimmste habe das Land bereits hinter sich. Doch der Wirtschaft geht es gar nicht gut. Das spüren vor allem die Rentner. Ein Ortsbesuch in der Armenküche in St. Petersburg.
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St. PetersburgMontags steht immer „Brei“ auf dem Speiseplan – aus Hirse, Reis, Grieß oder Haferflocken. Der Grund ist einfach: Brei macht satt und ist billig. Und das ist es, was in der Armenküche der Malteser in St. Petersburg zählt. Jede Portion, die in dort ausgegeben wird, ist stark rationiert. Denn pro Person steht der Küchenchefin Elena Prokofjew umgerechnet ein Euro zur Verfügung. Heute ist nicht Montag, deshalb gibt es Sauerkraut-Suppe, eine halbe Tomate, zwei Stück Brot, zwei Knoblauchzehen und einen Becher Johannisbeeren-Saft. Immerhin.

Die Ärmsten der Armen sind in Russland die Rentner. Die meisten bekommen eine durchschnittliche Rente von kaum mehr als 8.000 Rubel. Umgerechnet sind das 150 Euro – im Monat. Davon müssen sie Miete, Lebensmittel und Medikamente bestreiten. Gerade in einer Stadt wie St. Petersburg, die kaum günstiger ist als Berlin oder Hamburg, ist das nur schwer vorstellbar. Deshalb kommen viele zur Armenküche, um wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit zu bekommen.

Dabei wird Kremlchef Wladimir Putin nicht müde, immer wieder zu betonen, dass es Russland gut gehe, dass das Land das schlimmste hinter sich habe. Dass die Sanktionen das russische Volk nicht unterkriegen würden. Dass sich die Wirtschaft erholen würden. Doch die Realität sieht für viele anders aus.

Ludmila Sergejewna steht am Ausgabefenster der Armenküche. Die gibt es hier in St Petersburg, Russlands zweitgrößter Stadt, seit 1992. In einem Hinterhof, direkt gegenüber vom Deutschen Generalkonsulat, befindet sich das ockerfarbene Gebäude. Dort gibt es das Essen.

Kommentare zu " Wirtschaftskrise und Sanktionen: Arm auf Russisch"

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  • Die Tafeln in Deutschland sind ja keine Notwendigkeit. Niemand muss hier hungern, niemand auf der Straße leben, die Unterstützungen sind hochgenug um alle Grundbedürfnisse zur Genüge zu decken. Wer zur Tafel geht, der will sich kostenlos Lebensmittel verschaffen. So lang es Freiwillige gibt die das Gefühl brauchen jemanden bemitleiden zu können und die Schnurrer kommen um sich bemitleiden zu lassen und neben bei noch was abgreifen können, funktioniert das System. D.h. aber noch lang nicht, dass es notwendig ist. Man sollte diese Form der Bedürfnisbefriedigung nicht überbewerten. Wenn jemand in unserem Land meint, dass sein Einkommen nicht genüge um sich eine ausgewogene Ernährung zu leisten, dann macht derjenige bei seiner Budgetplanung etwas falsch. Sprich, er gibt zu viel Geld für Dinge aus, welche nicht dem Grundbedarf dienen.

  • Einseitige »prorussische« Berichterstattung? – Kopp Online beantwortet die Zuschrift eines erbosten Lesers

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/redaktion/einseitige-prorussische-berichterstattung-kopp-online-beantwortet-die-zuschrift-eines-erbosten-.html

    Nachfolgend die Antwort unseres US-Autors F. William Engdahl auf diesen Leserbrief:

    SEHR LESENSWERT….BESONDERS FÜR USA FANATIKER !!

  • Bin ja froh, dass andere es auch bereits schreiben - ja, Russland hat es mit verschuldet, ja, es wird nicht dadurch besser, dass es in Deutschland auch über 1.000 Tafeln (nein, nicht Schokolade, Armenspeisungen) gibt...
    Aber für mich gehört das zum Gesamtbild und das kriegt man irgendwie nur noch selten, auch wenn das nervige, geradezu propagandistische Russlandbashing nachgelassen hat wegen den Dauerberichten über das Plastikgewehr unserer Bundeswehr.

    Aber wie hat Dieter Nuhr das mal so schön ausgedrückt, so ist der Mensch - er kann bis zum Bauch in der Schei*** stecken, das ist ok, solange es dem anderen nur bis zum Hals steht.

    In diesem Sinne, weiter nach Russland gucken und nicht darauf achten, wie hier alle Lebensstandards für die breite Masse heruntergefahren werden z. B. durch private Infrastrukturinvestitionen, also Maut für alle.

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