Wirtschaftskurs
Urknall hinter der Großen Mauer

Der Machterhalt der Kommunisten hängt stark vom wirtschaftlichen Erfolg ab. Dafür braucht das Land hippe Startups als noch mehr Hoch- und Tiefbau. Nötig sind zügige Deregulierungen und eine Öffnung des Kapitalmarkts.
  • 0

PekingÖkonomen wissen sehr genau, was auch ihrer Sicht das drängendste Problem für Chinas neuen Parteichef Xi Jinping ist: Eine Erhöhung der Effizienz. Denn Chinas Wirtschaft sieht von außen zwar sehr robust aus, doch sie droht bereits jetzt, an ihrer eigenen Größe und Schwerfälligkeit zu ersticken. „Es gibt klare Anzeichen, dass Chinas neue Führung beschleunigte Reformen ganz oben auf ihre politische Tagesordnung setzen“, sagt Ökonom Qu Hongbin von der Großbank HSBC.

Geplant sei eine Kettenreaktion der Wirtschaftsöffnung, die von einer Deregulierung des Finanzmarkts ausgehe: Banken, Zinsen, Währung, Kreditvergabe, Staatsunternehmen – all des steht vor einer Generalüberholung. Eine neue „Revolution“ stehe China hier bevor, so Qu. Sie werde unter Xi viel schneller voranschreiten als bisher gedacht.

Die Kommunisten haben sich für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele gesetzt. „Unsere Kinder sollen noch einmal unter deutlich besseren Bedingungen aufwachsen“, fasste Xi das Ziel am Donnerstag zusammen.

Die Partei hat bereits in konkrete Ziele übersetzt: Die Wirtschaft soll pro Jahr im Schnitt zwischen sieben und 7,5 Prozent wachsen. Darauf ergibt sich eine weitere Verdoppelung des Bruttoinlandprodukts bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 2010. Zugleich soll der Staat sozialer werden und mehr umverteilen. Denn der Zweck des Wachstums ist bescheidener Wohlstand für die gesamte Bevölkerung. Auch für die 125 Millionen Chinesen, die bisher mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen – und auch für die Bewohner abgelegener Regionen im Westen des Landes.

Das Kernproblem der chinesischen Wirtschaft ist dabei in den kommenden Jahren die Nutzung von Kapital. China hat dank einer hohen Sparrate reichlich Geld zur Verfügung. Doch wie lässt es sich am besten einsetzen, um den geplanten Wohlstand für alle zu schaffen? Bisher haben vor allem Staatsunternehmen die Ersparnisse der Bürger genutzt, um immer neue Stahlwerke, Zugstrecken und Fabriken für Plastikspielzeug in die Landschaft zu klotzen.

Kommentare zu " Wirtschaftskurs: Urknall hinter der Großen Mauer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%