Wirtschaftsleistung
Spanien steht vor einer langen Rezession

Eine lange goldene Ära geht zu Ende. Spaniens Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Quartal erstmals seit 15 Jahren geschrumpft. Alle Experten und auch die spanische Regierung gehen davon aus, dass eine längere Rezession bevorsteht.

MADRID. Laut dem Nationalen Statistikinstitut INE sank das reale Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Wirtschaft nur noch um 0,9 Prozent zu, halb so viel wie im zweiten Quartal. Vor allem die schwache Binnennachfrage sei für das schlechte Ergebnis verantwortlich, hieß es im Bericht von INE. Das Ergebnis wäre noch schlechter ausgefallen, hätte nicht der positive Außenbeitrag für einen gewissen Ausgleich gesorgt. Denn die Exporte sanken in geringerem Maße als die Importe.

Die Regierung will im Dezember ihre Wachstumsprognosen von derzeit 1,6 Prozent für dieses und ein Prozent Wachstum für nächstes Jahr herunterschrauben. In der Tat stehen insbesondere die Zahlen für 2009 in starkem Kontrast zu anderen Schätzungen, etwa des Internationalen Währungsfonds, der eine Schrumpfung von 0,7 Prozent für Spanien vorhersagt.

Die Wirtschaftsforschungsabteilung der Großbank BBVA geht von einem Wachstum zwischen 1,2 und 1,4 Prozent für dieses Jahr und einer Schrumpfung für 2009 aus. Aufgrund „der Ungewissheit über das globale Szenario und über den Effekt der geplanten staatlichen Konjunkturmaßnahmen“ hält BBVA im nächsten Jahr alles zwischen minus 0,1 Prozent und minus 1,5 Prozent für möglich – je nachdem wie schnell sich der internationale Konjunkturhimmel aufklärt und die Exportwirtschaft die Misere auf dem Bau ausgleichen kann. Ohne die Bauwirtschaft, so die Experten der BBVA, wüchse die spanische Wirtschaft 2009 um 0,6 Prozent.

„Unsere Krise wird hart und sie wird länger dauern als die in Deutschland oder Frankreich“, sagt Rafael Pampillón, Wirtschaftsprofessor an der Managementhochschule Instituto de Empresa. „Denn die Wirtschaft dieser Länder basiert auf Industrie und Produktivität, unsere aber auf der Bauwirtschaft.“

Der spanische Immobilienmarkt, bisher einer der wichtigsten Wachstumsmotoren, leidet an einem riesigen Angebotsüberschuss von circa einer Million unverkaufter Neubauwohnungen. Damit diese Wohnungen verkauft und die Immobilienkrise überwunden werden könnten, müssten die Wohnungspreise stark sinken. Die Arbeitslosenquote schnellte in den letzten Monaten von acht auf mehr als elf Prozent hoch und wird nach Meinung der BBVA-Experten 2009 auf über 15 Prozent steigen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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