Wirtschaftsminister Montebourg
„Widerstand“ gegen Deutschland gefordert

Kampfansage aus Paris: Der französische Wirtschaftsminister Montebourg wettert gegen die „destruktive Ideologie“ der EU und fordert „Widerstand“ gegen Deutschland. Ein Kurswechsel müsse vollzogen werden.
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ParisFrankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hat zu „Widerstand“ gegen die von Deutschland forcierte Sparpolitik in Europa aufgerufen. Auf einem Sozialisten-Treffen forderte Montebourg am Sonntag einen raschen Kurswechsel der europäischen Regierungen. Sonst würden sie ihre Wähler an populistische und extremistische Parteien verlieren, warnte er.

Frankreich müsse hier eine Vorreiterrolle einnehmen und Alternativen zu einer „destruktiven Ideologie“ anbieten. Die seit der Finanzkrise 2008 vorangetriebenen Schritte zur Reduzierung der Haushaltsdefizite hätten die europäischen Volkswirtschaften kaputtgemacht. Statt das Hauptaugenmerk auf den Schuldenabbau zu richten, müssten die Verbraucher unterstützt werden, damit der Konsum in Schwung komme, forderte Montebourg.

„Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, die fünftgrößte Macht der Welt, und es hat nicht die Absicht, meine Damen und Herren, sich nach den maßlosen Obsessionen von Deutschlands Konservativen zu richten“, sagte er. Als mögliche Verbündete nannte er seinen deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel (SPD) und Italiens Regierungschef Matteo Renzi.

Montebourg ist in Frankreich für seine scharfen Worte bekannt und macht keinen Hehl aus seinen Absichten, selbst einmal Präsident zu werden. Mit seinen Äußerungen setzt er Amtsinhaber Francois Hollande unter Druck, der zuletzt seine Pläne für Ausgabenkürzungen und Steuererleichterungen für Unternehmen bekräftigt hatte. Hollandes Büro wollte sich zu der Rede des Ministers nicht äußern. Aus der Umgebung von Ministerpräsident Manuel Valls verlautete, Montebourg sei zu weit gegangen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wirtschaftsminister Montebourg: „Widerstand“ gegen Deutschland gefordert"

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  • Richtig! Kampf gegen deutsche Politiker!! Ich entnehme den Medien: Deutsche Politiker wollen Deutschland/Deutsche nur schaden!!!

  • Sie werden noch zu spüren bekommen, was Ihre bittere Medizin in Europa anrichtet: Zusammenbruch der in der in der Tat viel zu früh aus dem Boden gestampften Eurowährung, eventuelle Armutsrevolutionen der an den Rand gedrängten Menschen, zunehmende Feindschaft zwischen den Völkern und ähnliches. Politik ist kein schulisches Pädagogikseminar, geleitet von strengen und selbstgefälligen Lehrern der alten Schule. Es wäre insbesondere in den Südländern der EU besser gewesen endlich die massivsten Steuerhinterziehungsinstinkte der Reichen abzustellen statt sich kaputtzusparen.Das hätte sozialen Zusammenhalt, Ökonomie und Arbeitsmarkt wenigstens ein Stück weit stabilisiert. Aber auch bei uns muss Schluss sein mit dem Auseinanderdriften der
    Gesellschaft in Reiche und Arme. Das neoliberale FDP-ler Gift muss endlich raus aus Europas Adern.

  • Kampf gegen Deutschland
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    Auf einem Sozialisten-Treffen forderte Montebourg am Sonntag einen raschen Kurswechsel der europäischen Regierungen. Sonst würden sie ihre Wähler an populistische und extremistische Parteien verlieren, warnte er.

    Hier hat er wohl Angst vor Marine Le Pen (FN).
    Die Sozialisten würden "pulverisiert".
    Aber sie scheuen jede Reform wie der Teufel das Weihwasser.
    Eine Wirtschaftsreform würde am Widerstand der Lobby scheitern, eine Reform des Arbeitsmarktes an den übermächtigen Gewerkschaften.

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