Wirtschaftsordnung
Auf der Suche nach der Ehre des Kaufmanns

Seit der Finanzkrise werden Kapitalismus und Marktwirtschaft infrage gestellt. Sind sie die Ursachen für die Misere? Unsere Wirtschaftsordnung braucht vor allem einen Mentalitätswechsel.
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Alles sah dunkler aus als sonst, in dieser Nacht im späten September 2008, kurz nach der Lehman-Pleite, selbst die Leuchtreklame auf den Türmen der Commerzbank und der Deutschen Bank, die sich wie in Entenhausen bei Dagobert Duck einen Wettkampf um die Höhe geliefert hatten. Damals, in guten Zeiten. Jetzt war es vorbei. Panik statt Potenz. Weltwirtschaftskrise. Wie Ende der 1920er-Jahre. Da hatte Fritzi Massary noch gesungen: „Ich liebe das Geld, die Schönheit, die Kraft - ich liebe das Geld, weil es Freiheit mir schafft.“

Und bald darauf war es vorbei mit Kraft und Geld. Und irgendwann mit der Freiheit. Die Wirtschaftskrise dauerte von 1929 bis 1933, sie ereignete sich in mehreren Wellen. So auch diesmal. Mit hoffentlich anderem Ausgang.

Finanzkrisen sind nichts Neues. Ihre Geschichte ist jahrhundertealt, älter als die moderne Marktwirtschaft selbst. Exzesse und die folgenden Abstürze - Krieg inklusive - gibt es, seitdem es Geld gibt. Die erste große Krise entstand kurz nach der Erfindung des Papiergelds und des modernen Geldverkehrs. Ein Urheber dieser fundamentalen Finanzkrise war zugleich der Erfinder und der Vorläufer des modernen Kapitalismus: John Law of Lauriston.

Seine Geschichte ist auch deshalb so faszinierend, weil sie sich in weiten Teilen wie eine Blaupause für die Geschehnisse der letzten Jahre liest. Der 1671 geborene Law war Genie und Glücksritter zugleich. Schon in der Schulzeit in einem Internat beschäftigte er sich mit revolutionären Ideen zu künftigen Finanz- und Geldsystemen. Die Grundidee war dabei nicht nur das Papiergeld, sondern vor allem der Gedanke, dass nicht nur Goldmünzen zur Deckung des Notenumlaufs dienen könnten, sondern auch andere Werte und deren in der Zukunft liegenden Erträge.

Als sein langjähriger Gönner, Philipp Herzog von Orléans, 1715 die Regierung Frankreichs übernahm, schlug Laws große Stunde. Angesichts des aussichtslos heruntergewirtschafteten Königreichs erlaubte Philipp II. dem Freund, seine geldpolitischen Ideen in die Praxis umzusetzen. Zunächst lösten Laws erfolgreiche Bank, das neue Geldsystem sowie die massive Ausweitung von Banknoten- und Aktienemissionen eine beispiellose Welle von Wachstum und Prosperität aus. Die Staatsfinanzen schienen saniert, der König und sein Volk bewunderten Law wie einen Popstar.

Kommentare zu " Wirtschaftsordnung: Auf der Suche nach der Ehre des Kaufmanns"

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  • Der ehrbare Kaufmann ist hierzulande der Dumme. Die Regierung und die Gesetze sind gegen ihn und seine Kunden betrachten ihn als Feind. Sieht man ja hier im Forum.

    Wenn sich alle Kaufmaänner an die folgenden Regeln halten würden, dann hätten wie die Probleme heute nicht, aber so wie es jetzt ist, wird der Mittelstand von zwei Seiten nieder gemacht. Und irgendwann wundern sich die Menschen, wenn sie nur noch bei Monopolisten kaufen können und ihre Lebensmittel chemisch erzeugt werden.
    Ach ja - hier die
    GEBOTE FÜR VORWÄRTSSTREBENDE
    Bald 100 Jahre auf dem Buckel , aber so aktuell wie nie:

    Dieser historische Text stammt aus dem Jahr 1925 - von J.B. Winklhofer, dem damaligen Inhaber der Wanderer-Werke. Ein Stück lesenswerte Kultur aus dem alten Europa!
    1. Grundbedingung ist, daß man seinen Beruf gründlich versteht.
    2. Den Ehrgeiz haben, jedes Ding besser zu machen, als es irgendein anderer kann.
    3. Am Prinzip festhalten, daß dem Kunden für sein Geld nur das Beste geliefert werden darf.
    4. Eine nie erlöschende Freude an der Arbeit muß vorhanden sein. Das Geldverdienen darf niemals Hauptzweck der Arbeit sein.
    5. Immer nur nach den neuesten Arbeitsmethoden und mit den allerbesten Einrichtungen im Betriebe arbeiten. Fachschriften lesen und lesen lassen. Alle Ausstellungen besuchen.
    6. Der größere Teil des verdienten Geldes muß zur Beschaffung der betriebsfördernden Mittel verwendet werden.
    7. Den rechten Mann an den rechten Platz stellen.
    8. Einfach und solid leben, damit man früh mit klarem Kopfe an die Arbeit gehen kann.
    9. Sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß man nicht jedes Geschäft machen kann oder muß. Damit wird man sich vor vielen Verlusten bewahren und von der Konkurrenz geachtet sein.
    10. Schließlich gehört noch eine recht große Dosis Geduld dazu, um den Erfolg seiner Mühen abwarten zu können, auch wenn es manchmal recht trostlos aussieht.

    Quelle: Betschon. Entscheide schnell. Orell Füssli-Verlag, 2004.

  • Zunächst einmal wäre zu bemerken, daß Döpfner keinerlei persönliche Kritik in seinen Beitrag verpackt hatte,
    was ja für jedermensch nachlesbar ist.
    Zum Zweiten ist der Beitrag glänzend geschrieben.
    Und zum Dritten wäre in Anbetracht der angesprochenen Materie zu bemerken, dass die Suche nach der Ehre des Kaufmanns natürlich eine vergebliche Suche bleiben könnte, ja wäre da nicht das was Göte mal gesagt hatte: kaum daß man vor die Haustüre geht, tritt man in den Dreck.

  • Bitte, ich kann mir dieses Geheule nicht mehr anhören. Sie scheinen ja völlig gescheitert zu sein :). Gehen Sie mal Urlaub machen oder sonst was, aber verschonen Sie uns mit diesem Scheiss. Wenn doch alles so scheisse ist, dann hat China oder Russland bestimmt noch eine kommunistisches Häuschen für Sie über. Dieses Geheule über die bösen Kapitalisten. Mir fällt da einfach nichts mehr ein.
    Der Artikel ist ein selten guter und dazu noch sehr informativ, naja für Menschen, die ihn verstehen :D.

    An alle Sozis und Weltverbesserer, es gibt genug schöne Länder für euch, nur ist das dann eben nicht Deutschland :).
    Ich will NIEMALS auch nur annäherend in einer Planwirtschaft leben müssen, geschweige denn Kommunismus. Wer für diesen Dreck stimmt, hat im Geschichts unterricht etwas zu viel Zeit auf Demos verbracht :D.

    BYEBYE

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