Wirtschaftsplan
Frankreichs Traum vom deutschen Mittelstand

Frankreich will einen Mittelstand nach deutschem Vorbild. Doch das wird schwer, denn die französischen Mittelständler und ihre deutschen Kollegen trennen Welten. Zu lange hat Frankreich auf Großunternehmen gesetzt.
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Alle sind in Frankreich für “le Mittelstand”. Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist es, sein sozialistischer Herausforderer Francois Hollande ist es auch. Die Förderung mittelständischer Unternehmen, besser noch die Schaffung eines Mittelstands nach deutschen Vorbild, ist eines der großen französischen Wahlkampfthemen. Schon wieder, müsste man sagen.

“Seit mehr als zehn Jahren wird darüber gesprochen”, sagt Professor Henrik Uterwedde, stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts (DIF) in Ludwigsburg. Und jetzt in Zeiten der Wirtschaftskrise steht das Thema jetzt besonders hoch im Kurs.

Kein Wunder. Denn dem deutschen Mittelstand geht es blendend. Der Befund der „Diagnose Mittelstand 2012” des Sparkassen-Dachverbandes DSGV ist eindeutig: Die deutschen Mittelständler blicken auf volle Auftragsbücher, eine immer breiter werdende Eigenkapitalbasis und steigende Gewinne. Passend dazu hatte sich das Geschäftsklima im Mittelstand laut dem KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer schier unbeeindruckt von den wirtschaftlichen Turbulenzen im europäischen Umfeld gezeigt. Die Geschäftserwartungen sind gut.

Interaktive Infografik

Deutschland und Frankreich im Vergleich

2011


Solche Erfolgsmeldungen aus dem Mittelstand hätte Frankreich auch gerne - aber im zentralistischen Frankreich gibt es einige große nationale Champions, aber nur wenige erfolgreiche Mittelständler nach deutschem Vorbild. Allen anders lautenden Debatten der vergangenen Jahre zum Trotz. “Frankreichs Wirtschaft ist auf die ganz großen Unternehmen fokussiert”, sagt Professor Uterwedde. “Es gibt sehr viele Kleinstunternehmen, aber ein Mittelstand nach deutschem Muster fehlt.”

In Zahlen: Von mehr als 3,4 Millionen Unternehmen haben laut der französischen Förderbank OSEO 65 Prozent gar keine Mitarbeiter, sind im Prinzip also Ein-Mann-Betriebe. In Deutschland trifft dies laut Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn nur auf gut 51 Prozent der 3,5 Millionen Unternehmen zu.

Große Unterschiede werden aber vor allem beim klassischen Mittelstand deutlich, also Unternehmen mit Belegschaften in Größenordnungen von 50 bis 249 sowie 250 bis 500 Mitarbeitern. Hier fällt Frankreich laut Berechnungen der Landesbank Saar hinter Deutschland deutlich zurück - und zwar mit einem Verhältnis von zwei zu eins. Auf einen französischen Mittelständler kommen zwei deutsche.

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Frankreichs Mittelständlern fehlt Kapital

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