Wirtschaftspolitik
Türkei lockt ausländische Investoren

Die Türkei will ausländische Investoren mit niedrigeren Körperschaftsteuern und staatlichen Zuschüssen zu den Sozialversicherungsbeiträgen ködern.

ATHEN. Die neuen Anreize, für die Ankara umgerechnet bis zu 460 Mio. Euro ausgibt, kommen vor allem Großprojekten und technologieintensiven Industrien zugute. Auch für deutsche Firmen ist die Türkei ein gefragter Investitionsstandort. Heute gibt es dort fast 3700 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung, 60 Prozent davon wurden in den letzten vier Jahren gegründet. Aber die Krise, die der Türkei im ersten Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um fast 14 Prozent bescherte, hat die Investitionslust gedämpft. Während sich die ausländischen Direktinvestitionen 2007 noch auf 22 Mrd. Dollar beliefen, waren es 2008 nur noch 17,7 Mrd. Dollar. Für 2009 rechnet Tahir Uysal, Präsident der Vereinigung Internationaler Investoren (Yased), mit zehn bis 15 Mrd. Dollar.

Die neuen Fördermaßnahmen sollen den Abwärtstrend umkehren. Vor allem für die schwach entwickelten Wirtschaftsräume in Zentral- und Ostanatolien will Ankara Investoren gewinnen. Davon verspricht sich die Regierung auch einen Beitrag zur Lösung des Kurdenkonflikts, dessen Wurzeln zum Teil in der wirtschaftlichen Rückständigkeit der Region und den hohen Arbeitslosenquoten liegen.

Firmen vieler Schlüsselbranchen wie Chemie, Öl, Elektronik, Maschinenbau oder Medizintechnik erhalten hier staatliche Unterstützung. So zahlen sie nur zwei Prozent Körperschaftsteuer statt des Regelsatzes von 20 Prozent. Der reduzierte Steuersatz gilt so lange, bis die gezahlten Steuern 70 Prozent der Investitionssumme erreicht haben. Der Staat übernimmt zudem bis zu sieben Jahre den Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungsbeiträge.

Für Investitionen in der Türkei sprechen niedrige Lohnkosten, die etwa in der Autoindustrie nur bei einem Viertel des deutschen Niveaus liegen, die hohe Motivation und gute Qualifikation ihrer Arbeitskräfte und die Größe des lokalen Marktes mit seinen über 70 Mio. Einwohnern, deren Kaufkraft stark gewachsen ist. Aber auch der Export spielt zunehmend eine Rolle, sagt Marc Landau, Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Handelskammer in Istanbul: "Die Türkei hat sich zu einem zentralen Beschaffungsmarkt für andere regionale Wirtschaften entwickelt, wie die Schwarzmeeranrainer, den Balkan, den Kaukasus, die Golfregion sowie die Nachbarländer Irak, Iran und Syrien."

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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