Wirtschaftsreformen
Raúl Castro kommt den Kubanern ein bisschen entgegen

Der neue Staatschef hat erste Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft auf der Insel eingeleitet: Kubanische Konsumenten dürfen sich jetzt offiziell alles kaufen - was vielen überhaupt nichts nützt, da sie sich kaum etwas leisten können.

MEXIKO-STADT. Kubas neuer Staatschef Raúl Castro hält Wort. Rund einen Monat nach seinem Amtsantritt hat er erste Wirtschaftsreformen eingeleitet sowie Erleichterungen für die Bevölkerung beschlossen. Ab sofort dürfen Kubaner in Touristenhotels wohnen, die bisher ausländischen Urlaubern vorbehalten waren. Zudem können sie Computer, Fernseher und andere Elektrogeräte kaufen. Bereits seit einiger Zeit dürfen die Kubaner Mobilfunkverträge abschließen; das war zuvor nur der politischen Elite erlaubt. Zudem hat die Regierung damit begonnen, ungenutzte landwirtschaftliche Flächen an Bauern zu verteilen, um die chronische Nahrungsmittelknappheit in den Griff zu bekommen. Denn die Insel ist nicht in der Lage, ihren eigenen Bedarf an Lebensmitteln zu decken und muss jedes Jahr für rund 1,6 Mrd. Dollar Nahrungsmittel im Ausland kaufen.

Der neue Staatschef Raúl Castro hatte bei seinem Amtsantritt am 24. Februar Reformen angekündigt, um so auf die hohe Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu reagieren. Damals kündigte Castro Erleichterungen für Wirtschaft und Landwirtschaft an.

Nach offiziellen Angaben liegt rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbauflächen in Kuba brach oder wird nur ungenügend genutzt. Nun soll auch der Export von Tabak und Kaffee deutlich steigen. Außerdem wurden nach Angaben des Nationalen Kleinbauernverbands (ANAP) die Preise angehoben, zu denen der Staat den Kooperativen die Erzeugnisse abkauft, um so den Anreiz für mehr Produktion zu stärken. Demnach werden die Preise für Milch, Kaffee, Kokosnüsse, Fleisch und Gemüse erhöht.

Mit dem Zugang der Kubaner zu den Konsumgütern schließt sich zwar formell ein Stück weit die Lücke zwischen denjenigen in der Bevölkerung ohne Zugang zu Dollar und denen, die über US-Währung verfügen sowie den Touristen. Allerdings bleiben die Güter für die große Mehrheit der Menschen unerschwinglich, die nur über das Monatsgehalt von umgerechnet elf Euro verfügen.

Dennoch bildeten sich in den vergangenen Tagen vor Dollar-Läden Schlangen von Menschen, die sich die Geräte kaufen wollten, die ihnen früher verboten waren. Manch anderer kam nur, um sich die Konsumgüter aus der Nähe zu betrachten.

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