Wirtschaftsvertreter
„Handel hat China verändert“

Angesichts der zunehmend chinakritischen Töne in Deutschland und Europa gehen führende Wirtschaftsvertreter in die Offensive: Sie pochen energisch darauf, den Dialog mit Peking nicht abzubrechen, sondern sogar noch zu verstärken.

BERLIN/BRÜSSEL. Aufgeschreckt durch die heftige Boykott-Debatte fordern Wirtschaftsvertreter eine Fortsetzung des Dialogs mit Peking. Nur so habe man die Chance, die Entwicklung des Landes positiv beeinflussen zu können, mahnten am Wochenende etwa der Präsident des Bundesverbandes für Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner, und der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann. Als wichtiger Stimmungstest für die Beziehungen zwischen der EU und China wird eine Reise der EU-Kommission nach Peking am kommenden Donnerstag angesehen.

Wegen der faktisch immer engeren Verflechtung der chinesischen und der deutschen Wirtschaft reagieren die Verbände irritiert auf die sehr emotionale Debatte. „Es besteht die Gefahr, dass China mit lauter Kritik in eine geschlossene Abwehrfront gegen den Westen getrieben wird“, mahnte Thumann. Grund für die Offensive der Wirtschaft in der China-Debatte ist aber auch das weit verbreitete Gefühl vieler Wirtschaftsführer, von der Politik zunehmend allein gelassen und in die Ecke naiver, werte-freier Geschäftemacher gedrängt zu werden. Verärgert reagieren die Industrievertreter aber auch auf den Vorwurf, die Wirtschaft stehle sich in der Debatte um Tibet und China aus der Verantwortung.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA), Jürgen Hambrecht, besorgt über die Entwicklung und die emotionale Art der Debatte geäußert. Jetzt warnten Börner und BDI-Chef Jürgen Thumann energisch vor einem Boykott der Olympischen Spiele und Forderungen nach wirtschaftlichen Sanktionen. „Der intensive Wirtschaftsaustausch ist ein tragender Pfeiler der Beziehungen mit China“, mahnte Thumann.

Auch Hambrecht und nun Börner sprachen sich dafür aus, heikle politische Themen in Peking anzusprechen und einen kritischen Dialog zu führen. Zugleich aber gehen die Wirtschaftsvertreter nun mit der These in die Offensive, dass Wandel nur durch Handel möglich sei. „Will China ökonomische Entwicklung, muss es in der Folge auch individuelle Freiheiten in allen menschlichen Bereichen zulassen“, argumentiert Börner. Europas Industrialisierung könne als Vorbild dienen: „Unsere Gesellschaften sind doch der Beweis, welche Freiheitsräume wir uns über Jahrhunderte geschaffen haben.“

APA-Chef Hambrecht und DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben argumentieren, dass die Investitionen und Aktivitäten deutscher Firmen in China die Standards in vielen Bereichen des Lebens erhöhten. Dies schaffe bessere politische Rahmenbedingungen. BDI-Präsident Thumann geht noch einen Schritt weiter: Die von den mehr als 2000 in China aktiven deutschen Firmen durchgesetzten hohen Standards im Arbeits- und Umweltschutz sicherten „sozialen Frieden und eine gesunde Umwelt“ – und die sei auch in China von zentraler Bedeutung.

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