Wirtschaftswachstum
Euro-Schuldenkrise zieht China runter

Die Eurokrise macht sich auch in China bemerkbar. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet unter einer schwachen Nachfrage aus Europa. China wächst zwar dennoch - aber die Zeiten des Turbo-Booms sind vorbei.
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PekingDas chinesische Wachstum gerät immer weiter in einen Abwärtstrend. Im ersten Quartal ist die Wirtschaft nur noch um 1,8 Prozent gewachsen, wie das Nationale Statistikamt am Freitagvormittag in Peking mitteilte. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das eine Wachstumswert von 8,1 Prozent. „Die Wirtschaft hat eine moderat schnelle Ausdehnung beibehalten“, sagte Amtssprecher Sheng Laiyun.

Ein Wachstumswert von knapp über acht Prozent markiert zwar aus europäischer Sicht einen weiterhin beneidenswerten Boom. Für chinesische Verhältnisse gilt ein solcher BIP-Anstieg jedoch nur als mäßig – in den vergangenen drei Jahrzehnten erreicht das Wachstum in der Regel ein Niveau um zehn Prozent. Die aktuelle Zahl liegt außerdem niedriger als noch im vergangenen Monat von einem Beamten der Entwicklungs- und Reformkomission geschätzt.

Doch überraschend kommt der Durchhänger dennoch nicht. Die Wirtschaftsplaner in Peking drosseln derzeit bewusst die Konjunktur. Sie haben zwar noch reichlich Möglichkeiten, das Wachstum zu stützen. Doch die Regierung will sich Mittel wie Zinssenkungen und Konjunkturpakete für den Fall aufheben, dass die Weltwirtschaft auch in den kommenden Monaten nicht wieder auf die Beine kommt.

Außerdem drohte China im vergangenen Jahr bereits eine Überhitzung der Wirtschaft: Die Immobilienpreise sind in einigen Lagen um bis zu 50 Prozent angestiegen, während die Unternehmen in immer neue Fabriken investiert haben, obwohl deren künftige Auslastung alles andere als sicher ist. Die Zentralbank hat daher den Geschäftsbanken Geld entzogen, um die Firmen und Anleger auf Diät zu setzen.

Ökonomen sehen den Hauptgrund für die Notwendigkeit der Schrumpfkur in der schwachen Konjunktur in Europa und Amerika. China hatte sein Entwicklungsmodell in den 90er-Jahren darauf ausgerichtet, hohe Exporteinnahmen für Investitionen zu nutzen. Doch seit der Krise von 2008/2009 fragen die Amerikaner viel weniger chinesische Waren auf Pump nach; derzeit sind es Länder der Eurozone, die weniger konsumieren.

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China muss auf Binnenkonjunktur setzen

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  • Gerne sprechen wir ein Lob für das Handelsblatt aus,
    welches sich neben der FAZ als eines der wenigen Blätter
    in der BRD dem größten Finanzskandal aller Zeiten des
    Eurosionssystems annimmt.

  • So bleibt immer noch die Möglichkeit mit Chinas großen
    Devisenreserven die Schlüsselindustrien Europas aufzu-
    kaufen und diese, ohne das Eurosionssystem, wieder auf
    marktwirtschaftlichen Kurs zu bringen.

  • Aber nein, es ist alles in Ordnung und die Einlagen der Sparer sind sicher ;) :D *lach* Würde mich nicht wundern wenn jeder Deutsche Haushalt demnächst nen Spanier und Chinesen aufnehmen muss... als Zeichen des guten Willens versteht sich :D

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