Wirtschaftsweiser Schmidt
„Ohne Italien würde der Euro wohl nicht überleben“

Wenn Italien die Euro-Zone verlässt, würde nach Einschätzung des Sachverständigenrates die Währung zerbrechen – und ein Dominoeffekt ausgelöst. Finanzminister Schäuble indes sieht die Wahl nicht als negatives Signal.
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Berlin/CernobbioOhne Italien würde der Euro nach Einschätzung des neuen Vorsitzenden des deutschen Sachverständigenrates, Christoph Schmidt, zerbrechen. Schmidt warnte in einem Interview der „Welt“: „Wenn Italien ausscheiden sollte, würde die Währungsunion wohl nicht überleben.“ Dann drohe nicht nur ein Dominoeffekt. Auch würden die Investoren den Zusammenhalt der Euro-Zone insgesamt infrage stellen. Sorgen bereite ihm auch Frankreich. Schmidt versicherte aber auch: „Ich halte die Euro-Krise noch für lösbar.“

Ein Ausscheiden Italiens aus der Euro-Zone hatte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ins Spiel gebracht. Das Wahlergebnis in dem Land vor zwei Wochen hatte erhebliche Unsicherheiten ausgelöst, ob der Reformkurs weiterverfolgt werden kann.

Die Lösung der Krise wird Deutschland nach Schmidts Einschätzung in jedem Falle teuer zu stehen kommen. „Deutschland muss in jedem Fall große Lasten tragen müssen“, sagte Schmidt. Das gelte auch für den Fall, dass die Europäische Zentralbank weiter die Wackelkandidaten in der Euro-Zone stützt. „Aber wenn der Euro-Raum auseinanderbrechen sollte, wäre das immer noch die wesentlich teurere Lösung, davon bin ich überzeugt.“

Der Chef der Fünf Wirtschaftsweisen verteidigte erneut den Vorschlag des Rates, mit einem Schuldentilgungspakt die Krisenlösung in Europa anzugehen. Das wäre eine klare Alternative zur aktuellen Strategie, die wesentlich auf die EZB setzt. „Denn die EZB stützt zwar in der Krise, aber sie fordert nicht. Es gibt keinerlei Auflagen, keine Schritte für weitreichende Strukturreformen.“ Das aber fordere der Schuldentilgungspakt ein.

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Schäuble mahnt Reformen an

Kommentare zu " Wirtschaftsweiser Schmidt: „Ohne Italien würde der Euro wohl nicht überleben“"

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  • Vor allem ist Prof. Hankel keiner der "Spätklugscheisser", denn er hat VOR der Einführung laut und deutlich auf alle Gefahren und Folgen hingewiesen, im Gegensatz zu vielen Ökonomen und den angeblich "Weisen". Ich habe ihn damals im Herbst 2001 selbst auf dem Münchner Marienplatz angehört, alle seine Prognosen treffen ein.

  • 'Nachrechner' sagt
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    @Rechner: Wir doktern seit drei Jahren an Griechenland rum. Das ist keine Sanierung, sondern Siechtum, ohne Ausblick auf echte Besserung (trotz der von Ihnen ständig angepriesenen Handelsüberschüsse).
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    Natürlich ist eine Saniering der Leistungsbilanz der Volkswirtschaft noch nicht per se eine Sanierung des Staatshaushalts.

    Aber sie ist eine unverzichtbare Voraussetzung.

    Wieso stellen sie so vehement tatsächliche Fortschritte in Abrede, wo sie offensichtlich sind?

    Mit "Nachrechnen" hat das nichts mehr zu tun.

    +++

    'Nachrechner' sagt
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    Sanierung braucht natürlich Elemente, die Zeit kaufen, um dann aber auch harte Schritte bis zum Ausstieg einzelner Länder umzusetzen. Uns fehlen klare Sanierungsregeln, die für jedes Land auch den Exil bedeuten können,
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    Sie stellen sich das einfach viel zu mechanistisch vor.

    Aufgrund der Imponderabilie homo sapiens kann man Sanierungspläne für Staaten und Volkswirtschaften nie genau einhalten.

    Da muß man auch zu- und abgeben können.

    Und zwar mehr abgeben, denn ansonsten hätte man den ursprünglichen Plan nicht ehrheizig genug aufgestellt und den Schuldner nicht geug Peitsche gegeben.

    ...

    Ein "Sünder-Exit" ist als solcher als Druckmittel nicht erforderlich.

    Sondern schlicht eine Finanzierungsverweigerung durch Finanzmärkte, EZB und ESM.

    Wer nicht an Kohle kommt, der MUSS nämlich sparen.

    Dann bliebe es den Schuldensündern überlassen, eine Ausweg in der Staatspleite mit folgender Pleite ihres Bankensystems zu suchen. Oder, eben doch zu sparen.

  • 'Nachrechner' sagt
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    @Rechner: Mit der Nullzinspolitik bezahlt der Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen u.ä. bereits heute aufgrund negativer Realverzinsung. Es ist also die Frage, wird auf einmal oder in Raten gezahlt.
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    Eine "Nullzinspolitik" gibt es nicht.

    Die Zinsen für gute Schuldner sind eben sehr niedrig.

    Und zwar aufgrund der geringen Wachstumsaussichten, UND aufgrund der niedrigen Inflationsaussichten (!).

    2% können sie noch immer bekommen für ihr Geld. Bei Inflationsaussichten von 1,5% und Wachstum von NULL ist mehr nachhaltig nicht darstellbar.

    Wer mehr will, muß Spanienbonds oder Aktien kaufen. Da gibt es natürlich dann Risiko und Volatilität.

    Das finanzielle perpetuum mobile - SICHERE Zinsen WESENTLICH über den nominalen Wachstumsaussichten - gibt es nicht.

    Und wird es nie geben.

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