Wirtschaftsweiser Schmidt „Ohne Italien würde der Euro wohl nicht überleben“

Wenn Italien die Euro-Zone verlässt, würde nach Einschätzung des Sachverständigenrates die Währung zerbrechen – und ein Dominoeffekt ausgelöst. Finanzminister Schäuble indes sieht die Wahl nicht als negatives Signal.
Update: 09.03.2013 - 15:59 Uhr 119 Kommentare
Ein-Euromünze: Was passiert, wenn Italien die Währungszone verlässt? Quelle: dpa

Ein-Euromünze: Was passiert, wenn Italien die Währungszone verlässt?

(Foto: dpa)

Berlin/CernobbioOhne Italien würde der Euro nach Einschätzung des neuen Vorsitzenden des deutschen Sachverständigenrates, Christoph Schmidt, zerbrechen. Schmidt warnte in einem Interview der „Welt“: „Wenn Italien ausscheiden sollte, würde die Währungsunion wohl nicht überleben.“ Dann drohe nicht nur ein Dominoeffekt. Auch würden die Investoren den Zusammenhalt der Euro-Zone insgesamt infrage stellen. Sorgen bereite ihm auch Frankreich. Schmidt versicherte aber auch: „Ich halte die Euro-Krise noch für lösbar.“

Ein Ausscheiden Italiens aus der Euro-Zone hatte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ins Spiel gebracht. Das Wahlergebnis in dem Land vor zwei Wochen hatte erhebliche Unsicherheiten ausgelöst, ob der Reformkurs weiterverfolgt werden kann.

Wirtschaftsweiser Schmidt: „Ich halte die Euro-Krise noch für lösbar.“ Quelle: dapd

Wirtschaftsweiser Schmidt: „Ich halte die Euro-Krise noch für lösbar.“

(Foto: dapd)

Die Lösung der Krise wird Deutschland nach Schmidts Einschätzung in jedem Falle teuer zu stehen kommen. „Deutschland muss in jedem Fall große Lasten tragen müssen“, sagte Schmidt. Das gelte auch für den Fall, dass die Europäische Zentralbank weiter die Wackelkandidaten in der Euro-Zone stützt. „Aber wenn der Euro-Raum auseinanderbrechen sollte, wäre das immer noch die wesentlich teurere Lösung, davon bin ich überzeugt.“

Der Chef der Fünf Wirtschaftsweisen verteidigte erneut den Vorschlag des Rates, mit einem Schuldentilgungspakt die Krisenlösung in Europa anzugehen. Das wäre eine klare Alternative zur aktuellen Strategie, die wesentlich auf die EZB setzt. „Denn die EZB stützt zwar in der Krise, aber sie fordert nicht. Es gibt keinerlei Auflagen, keine Schritte für weitreichende Strukturreformen.“ Das aber fordere der Schuldentilgungspakt ein.

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119 Kommentare zu "Wirtschaftsweiser Schmidt: „Ohne Italien würde der Euro wohl nicht überleben“"

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  • Vor allem ist Prof. Hankel keiner der "Spätklugscheisser", denn er hat VOR der Einführung laut und deutlich auf alle Gefahren und Folgen hingewiesen, im Gegensatz zu vielen Ökonomen und den angeblich "Weisen". Ich habe ihn damals im Herbst 2001 selbst auf dem Münchner Marienplatz angehört, alle seine Prognosen treffen ein.

  • 'Nachrechner' sagt
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    @Rechner: Wir doktern seit drei Jahren an Griechenland rum. Das ist keine Sanierung, sondern Siechtum, ohne Ausblick auf echte Besserung (trotz der von Ihnen ständig angepriesenen Handelsüberschüsse).
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    Natürlich ist eine Saniering der Leistungsbilanz der Volkswirtschaft noch nicht per se eine Sanierung des Staatshaushalts.

    Aber sie ist eine unverzichtbare Voraussetzung.

    Wieso stellen sie so vehement tatsächliche Fortschritte in Abrede, wo sie offensichtlich sind?

    Mit "Nachrechnen" hat das nichts mehr zu tun.

    +++

    'Nachrechner' sagt
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    Sanierung braucht natürlich Elemente, die Zeit kaufen, um dann aber auch harte Schritte bis zum Ausstieg einzelner Länder umzusetzen. Uns fehlen klare Sanierungsregeln, die für jedes Land auch den Exil bedeuten können,
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    Sie stellen sich das einfach viel zu mechanistisch vor.

    Aufgrund der Imponderabilie homo sapiens kann man Sanierungspläne für Staaten und Volkswirtschaften nie genau einhalten.

    Da muß man auch zu- und abgeben können.

    Und zwar mehr abgeben, denn ansonsten hätte man den ursprünglichen Plan nicht ehrheizig genug aufgestellt und den Schuldner nicht geug Peitsche gegeben.

    ...

    Ein "Sünder-Exit" ist als solcher als Druckmittel nicht erforderlich.

    Sondern schlicht eine Finanzierungsverweigerung durch Finanzmärkte, EZB und ESM.

    Wer nicht an Kohle kommt, der MUSS nämlich sparen.

    Dann bliebe es den Schuldensündern überlassen, eine Ausweg in der Staatspleite mit folgender Pleite ihres Bankensystems zu suchen. Oder, eben doch zu sparen.

  • 'Nachrechner' sagt
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    @Rechner: Mit der Nullzinspolitik bezahlt der Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen u.ä. bereits heute aufgrund negativer Realverzinsung. Es ist also die Frage, wird auf einmal oder in Raten gezahlt.
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    Eine "Nullzinspolitik" gibt es nicht.

    Die Zinsen für gute Schuldner sind eben sehr niedrig.

    Und zwar aufgrund der geringen Wachstumsaussichten, UND aufgrund der niedrigen Inflationsaussichten (!).

    2% können sie noch immer bekommen für ihr Geld. Bei Inflationsaussichten von 1,5% und Wachstum von NULL ist mehr nachhaltig nicht darstellbar.

    Wer mehr will, muß Spanienbonds oder Aktien kaufen. Da gibt es natürlich dann Risiko und Volatilität.

    Das finanzielle perpetuum mobile - SICHERE Zinsen WESENTLICH über den nominalen Wachstumsaussichten - gibt es nicht.

    Und wird es nie geben.

  • @Rechner

    Zitat:"positive Handelsbilanzen PIGS"

    Das ist eine Lüge. Die Zahlen stimmen nicht. Das erzählt man nur, um die pure Verzweilung wegen der gescheiterten illegalen Retttungsaktionen zu verdecken.

  • @Rechner: Mit der Nullzinspolitik bezahlt der Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen u.ä. bereits heute aufgrund negativer Realverzinsung. Es ist also die Frage, wird auf einmal oder in Raten gezahlt.

  • @Rechner: Wir doktern seit drei Jahren an Griechenland rum. Das ist keine Sanierung, sondern Siechtum, ohne Ausblick auf echte Besserung (trotz der von Ihnen ständig angepriesenen Handelsüberschüsse). Sanierung braucht natürlich Elemente, die Zeit kaufen, um dann aber auch harte Schritte bis zum Ausstieg einzelner Länder umzusetzen. Europa hat uns (leider) gelehrt, dass auf Versprechungen und selbst auf Verträge kein Verlass ist. Der nächste Wahlkampf kommt früher oder später in all diesen Länder und dann werden neue Versprechungen gemacht. Uns fehlen klare Sanierungsregeln, die für jedes Land auch den Exil bedeuten können, nur das diszipliniert, ansonsten brauchen wir den zentralen Haushaltsdurchgriff.

  • 'Nachrechner' sagt
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    Nicht die Flinte ins Korn werfen, aber harte Schnitte, wie (temporäres) Ausscheiden einzelner Länder (um durch Währungsabwertung wieder wettbewerbsfähig zu werden) verbunden mit entsprechenden Schuldenschnitten und Hilfsprogrammen will und/oder traut sich keiner.
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    Haben Sie sich 'mal überlegt, wer die von Ihnen leichtfertig geforderten Schuldenschnitte letztlich bezahlt - hier geht's um hunderte von Milliarden?

    Insoweit als es um Schulden geht die die Hilfsprogramme halten, der Steuerzahler.

    Insoweit als es um Anleihen geht die die EZB hält, entweder der Steuerzahler, der der EZB ihre Verluste ersetzt, oder alle Sparer die mit Wertverlust einer Währung bezahlen die von einer Zombie-Notenbank herausgegeben wird.

    Insoweit als die Gläübiger Banken und Versicherungen sind, müssen die vom Steuerzahler gerettet werden, oder ihre Gläubiger sind dran: Einbußen bei Sparern, Lebensversicherungszahlungen und Betriebsrenten, Pleiten von Firmen.

    ...

    Den Schuldenmachern würde das gefallen, alle anderen würden die Zeche bezahlen.

    Weshalb "Schuldenschnitte" das letze sind, was im deutschen Interesse läge.

  • @Rechner: Sie sagen "Erstens überflüßig - die Finanzmärkte disziplinieren auf Dauer besser als jeder Kommisar." Gerne, dann funktioniert das aber nur mit harter No Bali Out Klausel. Einen Tod muss man sterben, entweder einzelne EURO-Länder auch pleite gehen lassen oder durchregieren bis in die nationalen Haushalte.

  • 'Nachrechner' sagt
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    Sklavisches Festhalten am heutigen Set-Up der EURO-Zone ist keine Strategie sondern Verzweiflung.
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    Mir scheint Sie unterschätzen den Zeitfaktor.

    Der derzeitige Setup mit ESM und OMT ist doch erst seit ein paar Monaten in Kraft - natürlich kann man da keine Wunder erwarten.

    Und auch die bisherigen Maßnahme haben - siehe sinkende Defizite und positive Handelsbilanzen - doch schon erhebliche Erfolge zu verzeichnen.

    ...

    Ich höre immer das Gejammere der Auguren in den Medien, dieses oder jenes würde "nur" Zeit kaufen.

    Diese Leute verstehen nicht, daß bei einer Sanierung Zeit ein extrem wichtiger Faktor ist.

  • 'Nachrechner' sagt
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    @Rechner: Immer wollen Sie nicht als Zahlsklave der PIGS enden. Nur den Weg dahin kann ich nicht erkenne. Sklavisches Festhalten am heutigen Set-Up der EURO-Zone ist keine Strategie sondern Verzweiflung. Nicht die Flinte ins Korn werfen, aber harte Schnitte, wie (temporäres) Ausscheiden einzelner Länder (um durch Währungsabwertung wieder wettbewerbsfähig zu werden) verbunden mit entsprechenden Schuldenschnitten und Hilfsprogrammen will und/oder traut sich keiner.
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    Bis auf Frankreich sind sie doch schon wieder wettbewerbsfähig.

    Sonst hätten sie keine positiven Außenhandelsbilanzen.

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    'Nachrechner' sagt
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    Auch sehe ich mittlerweile keine Alternative mehr zu zentralen fiskalischen Durchgriffsrechten auf die nationale Haushalte.
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    Das wäre das letzte.

    Erstens überflüßig - die Finanzmärkte disziplinieren auf Dauer besser als jeder Kommisar.

    ESM und EZB sind NUR dazu da, panische Überreaktionen des Marktes zu verhindern.

    Nicht um Schuldensündern die Staatshaushalte zu Billigstkonditionen zu finanzieren.

    Und zweitens gefährlich - Barroso mit Durchgriffsrechten auf den Bundeshaushalt?

    Bloß nicht!

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