Wirtschaftswissenschaftlicher Auflauf in Lindau
Familientreffen der größten Ökonomen

Solch ein Spektakel hat das 24 000-Seelen-Örtchen Lindau noch nicht erlebt: Der amerikanische Nachrichtensender CNBC hat eigens einen Satelliten-Übertragungswagen geschickt, zwei Tage lang wird der Wirtschafts- und Börsenkanal immer wieder live zur „Ferieninsel und Gartenstadt im Bodensee“ schalten. Insgesamt hat sich mehr als eine halbe Hundertschaft internationaler Journalisten angemeldet. Und schon seit Mittwoch sind fast 200 handverlesene Wirtschaftsstudenten vor Ort, angereist unter anderem aus den USA, Pakistan und Singapur.

LINDAU. Zehn teilweise schon ziemlich in die Jahre gekommene Herren vorwiegend aus Amerika sind es, die für den ganzen Rummel in Lindau verantwortlich sind. Zehn Herren allerdings, deren Namen die Augen eines jeden Ökonomen leuchten lassen: Solow, Nash, Mundell, Merton, Sharpe . . .

Es sind Ikonen der modernen Wirtschaftswissenschaften, die sich bis Samstag am idyllischen Bodensee treffen – Ökonomen, die jeder für sich das Fach derart vorangebracht haben, dass sie mit der in ihrer Zunft mit Abstand begehrtesten Auszeichnung geehrt wurden: dem Nobelpreis für Ökonomie.

Statistisch gesehen, hält sich bis zum Wochenende jeder dritte noch lebende Mensch, der diesen Preis in den vergangenen 35 Jahren bekommen hat, am Bodensee auf: 31 der 54 Laureaten leben noch, zehn kommen nach Lindau. Eigentlich wären es noch drei mehr gewesen: Lawrence Klein und James Buchanan hatten zugesagt, mussten kurzfristig dann aber doch wieder absagen. Und Paul Samuelson ist zwar verhindert, ließ es sich aber nicht nehmen, eigens für das Treffen einen Vortrag zu verfassen – vortragen wird ihn sein alter Freund Robert Solow.

Drei Tage lang diskutieren die lebenden Legenden der Wirtschaftswissenschaften mit Studenten aus 34 Ländern über zentrale Fragen der Zunft – unter anderem über die Probleme von Geringqualifizierten in Hochlohn-Ländern, über das Für und Wider einer Weltwährung und die Perspektiven asiatischer Tiger- Staaten.

Aber nicht um große makroökonomische Themen wird es in Lindau gehen – auch wissenschaftliche Spezialprobleme stehen auf der Agenda, unter anderem aus der Spiel- und Portfoliotheorie ebenso wie grundsätzliche Fragen zur Evaluierung ökonomischer Modelle und Theorien. Die Nobelpreisträger hatten vollkommen freie Hand bei der Wahl ihrer Vortragsthemen – trotzdem hat sich der Themenkomplex Globalisierung als ein klarer Schwerpunkt herauskristallisiert.

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