Wissenschaftler hoffen auf Therapie für Diabetes
Briten stellen Antrag auf therapeutisches Klonen

In Großbritannien könnte das Klonen menschlicher Embryonen für die Stammzellenforschung bald Realität werden: Wissenschaftler der Universität Newcastle haben erstmals einen Antrag bei der zuständigen Behörde gestellt. Diese befasste sich bereits bei einem Treffen gestern mit dem Antrag auf so genanntes therapeutisches Klonen, eine Entscheidung fiel aber noch nicht.

ap/kri LONDON/DÜSSELDORF. Die Forscher in Newcastle wollen vor allem Zellen zur Insulin-Produktion entwickeln und versprechen sich davon einen Durchbruch bei der Behandlung von Diabetes. Bis sich eine Anwendungsmöglichkeit ergebe, würden allerdings mindestens fünf bis zehn Jahren vergehen, erklärte die Wissenschaftlerin Alison Murdoch im BBC-Rundfunk. Sollte der Antrag aus Newcastle genehmigt werden, dürfte die Universität Embryonen ausschließlich zur Gewinnung von Stammzellen für die Forschung klonen.

In Großbritannien ist im Gegensatz zu Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt das so genannte therapeutische Klonen bereits seit 2001 zugelassen. Das Parlament stimmte damals mit großer Mehrheit für eine Vorlage der Regierung Blair, der Fraktionszwang wurde extra aufgehoben. Für die entsprechende Forschung ist in Großbritannien jedoch die Genehmigung der zuständigen Behörde notwendig; bisher ist noch keine erteilt worden. Auch das Roslin-Institut in Schottland, Schöpfer des Klon- Schafs „Dolly“, hat einen Antrag auf Genehmigung angekündigt.

In Deutschland ist nur das Forschen mit importierten embryonalen Stammzellen erlaubt, nicht aber deren Herstellung. Nach dem Stammzellen-Gesetz dürfen nur die menschlichen Zellkulturen verwendet werden, die vor dem Stichtag 1. Januar 2002 gewonnen wurden.

Beim therapeutischen Klonen wird einer menschlichen Eizelle der Zellkern entnommen und durch den Kern der Körperzelle eines Patienten ersetzt. Das Ei wird dann künstlich stimuliert, um sich weiter zu entwickeln, wie es bei einer Befruchtung durch Spermien der Fall wäre. Die entstehenden Stammzellen haben die Fähigkeit, sich zu jedem Zelltyp des menschlichen Körpers entwickeln zu können, etwa zu Herz-, Leber- oder Nervengewebe, das vom Immunsystem nicht als fremd erkannt und deshalb auch nicht bekämpft würde. Befürworter des therapeutischen Klonens heben die Möglichkeiten hervor, Parkinson, Alzheimer und Diabetes bekämpfen zu können.

Parallel zur Forschung mit embryonalen Stammzell-Linien wird auch mit adulten Stammzellen experimentiert, die aus zahlreichen Organen des Körpers entnommen werden, vor allem aus dem Rückenmark. Adulte Stammzellen können jedoch nur begrenzt im Labor gehalten und vermehrt werden.

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