Wladimir Putin
„Wir haben den Höhepunkt der Krise überwunden“

Fernsehsprechstunde mit Wladimir Putin: In der Sendung „Direkter Draht“ beantwortet der russische Präsident Fragen der Zuschauer. Die russische Wirtschaft sieht er im Aufwind. Er keilt gegen die Ukraine und Europa.
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MoskauKremlchef Wladimir Putin hat seine Landsleute mit Nachdruck aufgerufen, die Strafmaßnahmen des Westens in der Ukraine-Krise als Chance und nicht als Last zu sehen. „Es geht nicht um die Sanktionen, sondern darum, dass wir unsere Wirtschaft nach modernen Methoden organisieren“, appellierte Putin bei der Fernsehsprechstunde „Direkter Draht“ am Donnerstag in Moskau. Russland müsse die Strafmaßnahmen zur Entwicklung nutzen.

Massenentlassungen und Lohnkürzungen wegen der Wirtschaftskrise machen vielen Russen Sorgen. „Experten glauben, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben“, sagte Putin in der Sendung. „Der Rubel hat sich stabilisiert und ist stärker geworden“, fügte der Kremlchef hinzu. Putin sieht die Wirtschaft seines Landes trotz westlicher Sanktionen in starker Verfassung. Die Wirtschaftsbeschränkungen des Westens und der fallende Ölpreis seien für Russland ein Anstoß gewesen, sich aus seiner Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten zu lösen, sagte er. Die Sanktionen trieben die Entwicklung russischer Hochtechnologie voran.

Putin sagte, die Landwirtschaft habe im vergangenen Jahr 3,7 Prozent mehr Güter produziert. Die Arbeitslosigkeit sei gering. Auch habe sich der Kurs der Landeswährung deutlich von seinen Tiefstständen gegenüber Dollar und Euro erholt. Allerdings litten die Verbraucher unter der Inflationsrate von 11,4 Prozent. „Wenn wir die stabile Situation in der Innenpolitik erhalten und die gegenwärtige Stärke der Gesellschaft bewahren, haben wir nichts zu fürchten“, sagte Putin.

Damit stellte der Präsident sein Land in klaren Gegensatz zur Euro-Zone: Er sei nicht sicher, ob die Führer der Europäischen Staaten mit der aktuellen Wirtschaftskrise umgehen könnten, so Putin. „Es ist auch unklar, wie sie mit denen umgehen werden, die zurückgeblieben sind“, sagte er, offenbar in Anspielung auf kriselnde Länder wie Griechenland. Beim Staatsbesuch des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras hatte sich Putin jüngst zurückhaltend gezeigt, was seine Unterstützung für Euro-Länder in Not angeht. Offenbar will der russische Präsident die Bedeutung seines Landes unterstreichen.

Der Westen hat Russland wegen dessen Vorgehen in der Ukraine unter anderem den Zugang zu den internationalen Finanzmärkten eingeschränkt. Im Gegenzug verhängte Russland Importverbote für Agrarprodukte aus Europa, Nordamerika und Australien. Das Land leidet zusätzlich am niedrigen Ölpreis.

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  • egal, was die Medien uns wieder an verdrehten Tatsachen auftischen. Tatsache ist, dass der Rubel seit Nov. letzten Jahres wieder am Steigen ist. Und alles andere ist dummes Geschwafel fürs Volk.


  • Woanders wurde ich für folgende Aussage immer wieder zensiert:
    "Europa wird transatlantisch untergehn oder eurasisch wieder auferstehn."
    Dabei ist das komplett unnötig, da die Europäer ihr Schicksal längst selber besiegelt haben.
    Kollektiv ist da GAR NICHTS zu erwarten - man sollte deshalb auch von der irrsinnigen Annahnme Abstand nehmen, dass hier ein Umdenken erreicht werden kann. Man kann nur individuell das Beste aus der Situation machen.
    Dabei genügen 3 Minuten (wie in diesem Video), um jedem ideologisch nicht komplett Indoktrinierten klarzumachen, dass Europa überhaupt nicht Besseres passieren könnte als ein enges Bündnis mit Russland:
    https://www.youtube.com/watch?v=YX1PjE8tdEQ
    Der letzte große deutsche Staatsmann, der sich darüber absolut im Klaren war, war das diesjährige "Geburtstagskind" Otto von Bismarck. Ist lange her...

  • Die Rubelentwicklung zeigt es - die westlichen Sanktionen sind voll nach hinten losgegangen. Die Wirtschaftskontakte mit China und Südamerika, die Putin jetzt als Alternativen auf- und ausbaut, wird er sicherlich nicht wieder stoppen, wenn der Westen einmal von seinen Sanktionen abrückt.

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