Wladimir Putins
Der hart arbeitende Pensionär

Wladimir Putin übertrumpft wieder mal alle: Zwar bekommt der Herrscher über alle Russen offiziell nur ein Monatsgehalt von umgerechnet gerade einmal 4 860 Euro. Doch daneben bezieht er als wohl einziger Staatenlenker weltweit noch eine Rente – als Geheimdienstoffizier. Und für seinen Lebensunterhalt muss er keine Kopeke zahlen.

MOSKAU. Wie erst am gestrigen Dienstag durch den Artikel „Was hat Putin im Portemonnaie?“ in der Moskauer Zeitung „Moskowskij Komsomolez“ bekannt wurde, erhält der Kreml-Chef eine Rente vom Geheimdienst FSB. Denn da Putins Militärzeit und seine Dienstjahre als KGB-Spion in Dresden bei der Anrechnung der Pensionsansprüche – wie bei anderen Armee- und Geheimdienstangehörigen auch – doppelt zählten, habe der Präsident inzwischen Anspruch auf das Altersruhegeld vom KGB-Nachfolger FSB. In seiner Steuererklärung weise Putin dies auch mit gut 10 000 Rubeln pro Monat aus, berichtet das Blatt: „Putin ist also ein arbeitender Pensionär.“

Die vergleichsweise niedrige Rente und das – gemessen am Einkommen von Bundeskanzlern oder US-Präsidenten – geringe Einkommen macht Putin locker wett: Denn er muss für sein Präsidenten-Anwesen in Nowo-Ogarjowo westlich von Moskau keine Miete bezahlen. Dort stehen Schwimmhalle, Pferdestall, ein eigener Koch und weitere Bedienstete zur Verfügung. Und in zwei staatlichen Datschen kann sich der Präsident kostenlos von den anstrengenden Staatsgeschäften erholen.

Nicht einmal für seine Kleidung muss ein Kremlherr selbst zahlen. Dabei trägt Putin bei öffentlichen Auftritten am liebsten Brioni- oder Kiton-Anzüge, dazu eine 60 000 Dollar teure Patek-Philippe-Armbanduhr und Krawatten von Christian Lacroix, Moschino oder Valentino. Beim Einkaufsbummel wird man Putin oder seine Ehefrau Ljudmila aber vergeblich suchen: Alles wird gebracht und aus der Kreml-Kasse bezahlt.

32,4 Mill. Rubel – umgerechnet also etwa 925 000 Euro – wendet der russische Staat laut offiziellem Haushalt für den Unterhalt seines Oberhauptes auf. Nicht darin enthalten sind die vier Flugzeuge und die „Rossija“-Yacht aus dem Präsidenten-Fuhrpark, der auch Dutzende gepanzerte Autos umfasst, hauptsächlich von Mercedes, Chevrolet und dem altehrwürdigen Sowjet-Limousinenbauer SIL. Hinzu kommen 500 Mill. Rubel für einen Präsidenten-Fonds, aus dem Putin Schulen fördern oder medizinisches Gerät für Krankenhäuser beschaffen kann. Dies alles fällt in den Gesamtetat „Ausgaben zum Funktionieren des Staatsoberhauptes“, der in diesem Jahr 6,4 Mrd. Rubel umfasst.

7,8 Mill. Rubel gaben Putin und seine Frau beim Wahlleiter als Einkünfte für die Jahre 1999 bis 2002 an: Enthalten sind Putins Präsidentengehalt, seine FSB-Rente, Buchhonorare und Erlöse aus dem Verkauf einer privaten Datscha. Doch noch etwas lernen die Russen aus der neuerlichen Veröffentlichung über die oberste Familie im Staat: Putin ist noch billig. Denn für seinen im kommenden Jahr zu wählenden Nachfolger wird der russische Steuerzahler noch mehr ausgeben müssen: Für das Jahr 2010 sind im Budget Ausgaben für den Unterhalt des neuen Präsidenten in Höhe von 9,1 Mrd. Rubel vorgesehen – 260 Mill. Euro. Politik ist ein teures Vergnügen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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