„Am Anfang hatte ich Angst, etwas kaputtzumachen“, berichtet er von den ersten Schritten. Heute steht auf seiner Fensterbank eine Kamera, die Livebilder ins Netz überträgt: „Wenn der erste Schnee fällt, mailt die Tochter unserer Nachbarin, um zu hören, ob bei uns alles okay ist.“ Überhaupt habe das Web die Menschen zusammengebracht: „Wir kommunizieren heute mehr miteinander und interessieren uns mehr für unsere Mitbürger.“
Davon zeugt auch » www.cybermoor.org, die Homepage des Projekts. Hunderte von Diskussionen gibt es dort, von Warnungen vor einem Hühner reißenden Hund über die Frage, wie die kleine Postfiliale ihre Öffnungszeiten gestalten sollte, bis zur Rezension des örtlichen Band-Wettbewerbs, über dessen Sieger abgestimmt werden konnte. „Wir Bürger“, sagt Marshall, „haben nun eine Stimme.“ Nicht nur bei Musikwettbewerben, auch in der Politik: Als das örtliche Mini-Krankenhaus geschlossen werden soll, diskutieren die Einheimischen nicht nur, sie übertragen die Demonstration live ins Netz.
„Wir wollen auch eine neue Art demokratischer Struktur schaffen“, sagt Heery. Die Lokalpolitiker hätte das anfangs verschreckt, doch inzwischen hätten sie sich daran gewöhnt, dass ihre Entscheidungen viel offener zum Thema geworden sind – und die Zahl der Anfragen ihrer Wähler zugenommen hat.
Flotten Schrittes eilt Heery durch den Regen von seinem Büro im kleinen Rathaus zum Marktplatz. Neben dem alten Marktkreuz klappt er seinen Laptop auf. Ein bizarres Bild: Da sitzt ein 36-Jähriger in dunkelgrüner Wachsjacke, rechts von ihm ein Pub, der seit dem 17. Jahrhundert existiert, links ein Buchladen mit verstaubten Fenstern – und fragt seine E-Mails ab.
Natürlich hat das Internet nicht alle Probleme von Alston gelöst. Davon zeugt ein ehemaliger Lebensmittelladen mit verschmierten Scheiben. Schon lange sucht er einen Mieter. „Aber“, wirft Heery ein, „wir haben den Wegzug der Bevölkerung gestoppt.“ Auf 25 Millionen Pfund schätzt er den volkswirtschaftlichen Gewinn für die Gemeine: So wurden 14 Jobs direkt durch die neuen Web-Möglichkeiten geschaffen. „Es kommen neue Menschen nach Alston, vor allem Selbstständige und Leute, die nur an ein, zwei Tagen nach Newcastle pendeln müssen. Außerdem hat die Zahl der Schüler wieder zugenommen“, sagt der Cybermoor-Macher. Sogar die Grundstückpreise seien innerhalb kurzer Zeit um ein Viertel gestiegen. „Das Wunder im Moor“, jubelte 2004 der „Guardian“.
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