Der König der Korruption, Ex-Bürgermeister Wladimir Nikolajew, war inhaftiert, ist derzeit aber wieder auf Bewährung frei. Er hatte nach den Erkenntnissen des Gerichts 20 Prozent für jedes Geschäft unter seinem Einfluss in Rechnung gestellt. Die unsauberen Praktiken behinderten die Entwicklung der Wirtschaft und verhinderten die Entstehung einer mittelständischen Industrie, urteilt Schatoba. Ähnlich Ökonom Latkin: „Die Korruption ist ein großes Problem für die weitere Entwicklung.“
Wladiwostok liegt auf der Landkarte zwischen dem Tigerstaat Südkorea, dem aufstrebenden China und der Wirtschaftsmacht Japan. Asien ist den Einwohnern Wladiwostoks jedoch trotz der Grenzlage fremd. Die Küche vor Ort ist russisch-europäisch geprägt. Im vollen Fast-Food-Laden findet sich nur ein einziges asiatisches Gesicht; die Menschen hegen nach mehreren Kriegen wenig Sympathie für die Nachbarn. Umgekehrt misstrauen die Japaner den Bedingungen in Russland und haben in den vergangenen 15 Jahren fast ausschließlich in China investiert. Einer Studie der Staatlichen Uni Wladiwostok zufolge sind die Hauptgründe hohe Lohnkosten, wenig Anreize seitens der Regierung und technische Rückständigkeit der Gegend.
Daran wird wohl auch der Putin-Plan mit seinen Autobahnen und Hotels nichts ändern. Die offiziell Beteiligten wiederholen zwar hartnäckig, dass das Vorhaben felsenfest steht, rund 150 Mrd. Rubel bewilligt seien und die Touristen kommen werden. „Was Russland aber wirklich braucht, sind aktivere und kritischere Bürger“, sagt Schatoba. Dann könne er sich für seine Kinder eine Zukunft in einer demokratischen Gesellschaft vorstellen, die er als normal empfände. Er will mit gutem Beispiel vorangehen und verklagt nicht nur routinemäßig die Regierung, sondern engagiert sich nebenbei auch noch für ein Waisenhaus.
Von der „Beherrscherin des Ostens“ zur Stadt mit vielen Problemen
Wladiwostok – „Beherrscherin des Ostens“. So nannte das Zarenreich den Vorposten bei seiner Gründung 1860. Die Stadt hat 600 000 registrierte Einwohner, inoffiziell soll hier eine Million Menschen leben.
Hafenstadt
In Wladiwostok endet die transsibirischen Eisenbahn. Zugleich ist der Hafen ein wichtiger Importweg nach Russland. Doch seine Bedeutung schwindet. Die Bucht ist zu eng und zu flach für die gewaltigen Containerfrachter heutiger Generation.
Einsame Ecke
Wladiwostok liegt im Süden des „Fernen Ostens“, einer der fünf großen russischen Verwaltungseinheiten. Dieses Gebiet zwischen Sibirien und dem Pazifik macht zwar 36 Prozent der Fläche Russlands aus. Hier wohnen aber weniger als fünf Prozent der Bevölkerung: pro Quadratkilometer etwa ein Mensch.
Asien oder Europa?
Das Wachstum des russischen Fernen Ostens liegt trotz Produktion von Öl, Gas, Holz und Fisch sowie der geographisch günstigen Lage etwa einen Prozentpunkt unter dem des übrigen Landes. Das jährliche Wachstum rangiert zwischen fünf und sechs Prozent. Das Problem: Die Region ist von Europa zu weit weg und in Asien nicht integriert.
Abwanderung
Die Region leidet darunter, dass die Menschen in Scharen wegziehen: Seit 1992 ist die Bevölkerung um 16 Prozent geschrumpft. Es gibt zu wenig stabile Arbeitsplätze und kaum soziale Infrastruktur. Vor allem gut ausgebildete Bürger kehren der Stadt den Rücken.
Korruption
Korruption und unsaubere Geschäftspraktiken behindern die Entwicklung der Wirtschaft und verhindern vor allem die Entstehung einer mittelständischen Industrie.


