Wochenendhäuser zerstört
Korsika bereitet Pariser Regierung große Niederlage

Die Korsen haben mit ihrem „Nein“ bei der Volksbefragung über eine Stärkung der Selbstständigkeit der Insel der Regierung in Paris ihre erste große Niederlage seit der Wahl im vergangenen Jahr bereitet. 50,9 % der Wahlberechtigten stimmten am Sonntag in einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen gegen das Reformprojekt, 49,0 % votierten dafür. Das „Nein“ lag mit nur etwa 2100 Stimmen in Führung. Die Wahlbeteiligung betrug 60 %.

HB/dpa PARIS. Präsident Jacques Chirac bedauerte die Entscheidung und forderte die Korsen auf, jetzt „die Herausforderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung“ anzunehmen. Auf Korsika machten Nationalisten das „diffuse Projekt“ der Regierung und mangelndes Verständnis für korsische Empfindlichkeiten für das Scheitern des Projekts verantwortlich. Chirac habe mit seiner Empfehlung viele Korsen verärgert, ein „Ja“ sei bester Beweis für die Zugehörigkeit der Korsen zur Republik, sagte der Nationalistenführer Jean-Guy Talamoni.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin, für den Korsika als „Testfall“ der Dezentralisierung galt, sagte, der „Status quo“ habe gesiegt und die Entscheidung der Korsen werde respektiert. Die Aufteilung der Insel in zwei Départements bleibt also bestehen. Innenminister Nicolas Sarkozy, der sich im Wahlkampf besonders engagiert hatte, sprach von einer „persönlichen Niederlage“. Dieses Ergebnis sei zwar keine „Sanktion der Regierung, doch ich bin zweifellos enttäuscht“.

Die sensationelle Festnahme des mutmaßlichen Mörders des Präfekten auf Korsika hat nach Meinung von Talamoni das Lager der Gegner der Reform gestärkt. „Wenn man in Paris das „Nein“ hätte fördern wollen, hätte man keine bessere Methode finden können“, sagte er. Als prompte Reaktion wurden in der Nacht zum Montag vier unbewohnte Wochenendhäuser auf Korsika durch Bombenanschläge zerstört. „Ruhm für Dich, Yvan“, hatten Unbekannte mit Hinweis auf den verhafteten Yvan Colonna an die Wände geschrieben. Gegen Colonna, der den Präfekten Claude Erignac 1998 erschossen haben soll, wurde Anklage wegen Mordes und Mitgliedgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erhoben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%