Wohl keine Deutsche unter Opfern
Taliban sprengen Polizeibus

Beim vermutlich schwersten Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban im Jahr 2001 sind am Sonntag mindestens 35 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Es traf vor allem einheimische Polizisten – aber auch einige Ausländer.

HB KABUL. Kurz nach 8 Uhr Ortszeit sei in einem Polizeibus vor dem Hauptquartier eine Bombe explodiert, sagte der Leiter der Kriminalpolizei in Kabul, Alischah Paktiawal. Mindestens 20 der Getöteten seien afghanische Polizisten. Unter den Toten sind laut Innenministerium auch vier ausländische Ausbilder. Die Nationalitäten waren zunächst unklar. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte am Sonntag, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Deutsche darunter seien.

Die EU bildet afghanische Sicherheitskräfte aus. Die Mission steht seit Anfang Juni unter deutscher Führung, 40 Beamte wurden in das Land entsandt. Sie haben ihr Quartier aber nicht auf dem Gelände des afghanischen Polizeihauptquartiers.

Bei einer kleinen Zeremonie sollte am Nachmittag die bisherige deutsche Polizeimission durch die von Deutschland angeführte EU-Polizeimission Eupol in Afghanistan offiziell abgelöst werden. Im Rahmen dieser neuen Mission stellt Deutschland bis zu 60 Polizisten und andere Experten bereit. Kommandeur wird der frühere Chef der Eliteeinheit GSG 9, Friedrich Eichele. Der Außenamt-Sprecher sagte, die Zeremonie der Schlüsselübergabe für das Quartier solle trotz des Anschlags stattfinden.

Deutschland ist seit knapp fünf Jahren am Aufbau der afghanischen Polizei beteiligt. Deutsche Beamte bildeten bisher etwa 3 300 leitende Polizisten aus. Zudem sind etwa 2 900 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert.

Die Bombe explodierte zur Hauptverkehrszeit vor dem Polizei-Hauptquartier. Ein Polizist sah, wie ein Selbstattentäter beim Losfahren in den Bus sprang. Auch mehrere andere Fahrzeuge wurden bei der Explosion zerstört. Es war der fünfte Selbstmordanschlag in drei Tagen.

Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Ein Sprecher der Rebellen bezeichnete den Anschlag als Erfolg. Das Ziel, die Polizei zu treffen, sei erreicht worden. Weitere Anschläge seien geplant, sagte Taliban-Kommandeur Mullah Hajatullah Chan. Sollte sich die Zahl der Opfer bestätigen, wäre es der Selbstmordanschlag mit den meisten Toten in Kabul.

Die Taliban-Rebellen kämpfen seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen 2001 gegen ausländische Soldaten im Land und die afghanische Regierung. In den vergangenen Monaten wurden vermehrt Selbstmordattentate verübt.

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