Wolfgang Ischinger
Spitzendiplomat im Dienst der Sicherheit

Wolfgang Ischinger, Leiter der Sicherheitskonferenz, scheut die Auseinandersetzung nicht. Statt seine Gegner zu beschimpfen, bezieht er sie mit ein. Das hat dem umtriebigen Diplomaten einen hervorragenden Ruf eingebracht.
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BerlinEmpörend ist der Vorwurf, sagt Wolfgang Ischinger. Empörend, dass die Kritiker schon wieder monieren, die Münchner Sicherheitskonferenz sei nur eine Kriegsvorbereitungskonferenz gegen Iran. Empört aber sieht Ischinger bei allem, was er sagt, nicht aus.

Es würde nicht zu seinem Wesen passen, sich aufzuregen, gar laut zu werden. Bei allem, was er sagt, wählt der Leiter der Sicherheitskonferenz klare Worte, bleibt aber besonnen im Ton. "Ich weiß nicht, was ich noch tun kann, um zu versichern, dass sich in München nicht die Kriegstreiber treffen", sagt er.

Denn Ischinger hat das Treffen in der bayerischen Landeshauptstadt zu einer Runde von Größen nicht nur aus Politik und Militär, sondern auch aus Wirtschaft und Gesellschaft gemacht. Vorbei sind die Zeiten, in denen es wie bei seinem Vorgänger Horst Teltschik beim wichtigsten Sicherheitstreffen weltweit nur um die klassischen Verteidigungsfragen ging. "Ich versuche, den Begriff der vernetzten Sicherheit zu etablieren", sagt Ischinger. Heute gehe es auch um Themen wie Klima, Energie und Cyber-War, den über das Internet geführten Krieg. "Ohne Expertise aus der Wirtschaft lässt sich das nicht ordentlich diskutieren."

Und darum lädt Ischinger zunehmend auch Unternehmer ein. Knapp 50 der gut 350 Teilnehmer der diesjährigen Sicherheitskonferenz, die am Freitag beginnt, kommen aus der Wirtschaft. Darunter sind Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Allianz-Chef Michael Diekmann oder Telekom-Chef René Obermann.

Besonders stolz aber ist der ehemalige Botschafter darauf, dass unter den rund 40 teilnehmenden Ministern gleich zwei aus den USA sind: Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panetta werden am Samstag gemeinsam auftreten. Sie kommen, weil sie Ischinger aus seiner Amerika-Zeit schätzen; fünf Jahre war er Botschafter in Washington. "Durch meine Arbeit der letzten 35 Jahre als Diplomat hat sich ein hilfreiches Netzwerk ergeben", sagt der 65-Jährige.

Ischinger war persönlicher Referent von Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Staatssekretär bei Joschka Fischer, zuletzt Botschafter in London. Nun leitet er zum vierten Mal die Sicherheitskonferenz. In all den Jahren hat er wertvolle Kontakte geknüpft - und sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

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Gegner einbeziehen, statt ausschließen

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