Women’s Forum
Der große Unterschied

Das Women’s Forum in Deauville gilt als „Davos der Frauen“. Doch in Wirklichkeit geht es dort ganz anders zu als auf dem männerdominierten Weltwirtschaftsforum. US-Subprime-Krise? Nuklearkonflikt mit Iran? Terror in Afghanistan? US-Raketenabwehrschirm in Polen und Tschechien? Diese Themen überlässt Frau gerne dem anderen Geschlecht.

DEAUVILLE. Die blonde Frau auf dem Podium kämpft mit den Tränen. „Es war ein strahlend sonniger Tag“, erzählt sie stockend, „ich kam aus meinem Fernsehstudio und ahnte nicht, dass mich nur noch fünf Minuten von einer Katastrophe trennten.“ Im Saal ist es mucksmäuschenstill. Hunderte von Augenpaaren schauen wie gebannt nach vorn. „Sie hatten 500 Gramm TNT unter meinem Sitz versteckt“, fährt die Frau fort, „die Explosion hat mir ein Bein weggerissen“, sagt sie, und wieder versagt ihr die Stimme.

Nun glitzert auch unten im Saal manche Träne zwischen getuschten Wimpern. Die libanesische Fernsehjournalistin May Chidiac wurde am 25. September 2005 in Beirut Opfer eines Terroranschlages. Mit ihrem emotionalen Bericht beschert sie dem „Women’s Forum for the Economy and Society“ seinen bewegendsten Moment. Ein paar Augenblicke lang lässt eine Ahnung von Tod und Terror die Teilnehmerinnen erschauern.

Die Schreckminuten währen nicht lange im noblen Badeort Deauville. Milde Herbsttemperaturen locken Wochenendausflügler auf die weitläufige Strandpromenade. Die Oktobersonne taucht die normannischen Fachwerkhäuser in goldenes Licht. Drinnen im Konferenzzentrum verursacht bloß die zu tief eingestellte Klimaanlage Gänsehaut, nicht aber Debatten über die bedrohlichen politischen und ökonomischen Krisen rund um den Erdball.

Zum dritten Mal gibt sich die weibliche Elite der Welt in Deauville ein Stelldichein. Rund 1 000 Politikerinnen, Anwältinnen, Modedesignerinnen, Journalistinnen, Professorinnen, Unternehmensgründerinnen, Ökonominnen, Personalentwicklerinnen und vor allem Managerinnen sind aus allen Erdteilen an die Küste der Normandie gereist. Die laut US-Magazin Forbes derzeit weltweit mächtigste Frau ist zwar nicht gekommen: Angela Merkel schlug die Einladung zum sogenannten „Davos der Frauen“ aus. Die Bundeskanzlerin zieht das Original in den Schweizer Alpen vor. Doch die gerade zur Managerin des Jahres gekürte Anne Lauvergeon, Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, ist selbstverständlich dabei.

Die geballte Frauenpower aus 65 Ländern passt blendend zur teuren Eleganz des französischen Seebades. Auf den ausladenden cremeweißen Treppen des Centre International de Deauville sind die neuen Winterkollektionen von Armani, Chanel, Lanvin und Co. aufs Schönste zu besichtigen. Beim Opening Dinner am ersten Abend zeigen sich die Geschäftsfrauen im kleinen Schwarzen oder im tief dekolletierten Cocktail-Kleid.

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