World Economic Forum: Die globale Selbsthilfe-Gruppe

World Economic Forum
Die globale Selbsthilfe-Gruppe

In der nächsten Woche fallen Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft in Davos ein. Offiziell geht es bei dem Megatreffen um Globalisierung. Doch vieles deutet daraufhin, dass ein anderes Thema das Treffen dominiert.
  • 0

Davos In der Krise gibt es eine gewisse „Globalisierungsmüdigkeit“. Hier will Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum beim nächsten Gipfel in Davos ansetzen. Mit Blick auf die Teilnehmer-Liste des 43. WEF-Treffens in dem Schweizer Ski-Ort könnte man dagegen den Eindruck gewinnen, ein Euro-Krisengipfel würde in die Schweiz verlegt.

Denn in Sachen Polit-Prominenz dominiert klar Europa: Italiens Noch-Premier Mario Monti hält die Eröffnungsrede, auch der britische Premierminister David Cameron hat sich angesagt. Frankreich schickt dagegen nur den Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici, Präsident Francois Hollande bleibt in Paris.

Dagegen reist Bundeskanzlerin Angela Merkel gleich mit dem halben Kabinett an: Mit von der Partie sind unter anderen Finanzminister Wolfgang Schäuble, Aussenminister Guido Westerwelle und Philipp Rösler, sollte er nach der Niedersachsen-Wahl am Sonntag noch Vize-Kanzler und Wirtschaftsminister sein.

Auch ehrgeizige Politiker wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die Nordrhein-Westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und der Grünen-Chef Cem Özdemir wollen beim Treffen der Welt-Elite in den Schweizer Alpen nicht fehlen.

„Die Welt ist blockiert, es fällt immer schwerer, die globalen Probleme in kooperative Art und Weise zu lösen“, sagte Schwab in der WEF-Zentrale in Cologny. Der Klima-Gipfel in Qatar habe keine echten Forschritte gebracht und die Gespräche der so genannten Doha-Runde zum Abbau von Handelshemmnissen stocken seit Jahren. Nun würden die Nationen versuchen, für sich das Beste heraus zu holen, "und das ist suboptimal auf globaler Sicht", warnte Schwab.

Das WEF als Diskussionsforum der reichen und mächtigen scheint keine Krise zu kennen. Insgesamt 2500 Teilnehmer werden erwartet, darunter allein 50 Staats- und Regierungschefs und über 1500 Unternehmenslenker.

Das Oberthema des diesjährigen WEF ist „widerstandsfähige Dynamik“. Denn um die Krisen und Probleme zu meistern, müssten Verantwortliche in Wirtschaft und Politik beide Eigenschaften haben: Dynamik und Widerstandsfähigkeit, so Schwab.

Letztlich ist das WEF-Motto aber zweitrangig, denn das WEF erfreut sich deshalb ungebrochener Beliebtheit, weil es zum einen Staatslenkern und Wirtschaftskapitäne eine neutrale Diskussionsplattform bietet. „Volkshochschule auf höchstem Niveau“, höhnte einmal Verleger Hubert Burda darüber. Noch wichtiger ist der Kontakthof-Charakter des Treffens, denn nirgends auf der Welt treffen so viele mächtige Männer und Frauen aufeinander wie bei den jährlichen WEF-Gipfeln in Davos.

Mit Blick auf die Teilnehmer-Liste fällt indes auf, dass die USA und China in diesem Jahr nur vergleichsweise mager vertreten sind. Die USA schicken eher unbekannte Regierungsvertreter wie etwa Gesundheitsministerin Kathleen G. Sebelius.  Der neue US Finanzminister Jack Lew  fehlt. Auch Chinas Polti-Elite Chinas bleibt dem Alpen-Treff fern. Das erklären die WEF-Organisatoren damit, dass in beiden Ländern derzeit die Regierungen neu zusammen gesetzt würden. Dagegen kommt wie immer Urgestein Henry Kissinger nach Davos.

Kommentare zu " World Economic Forum: Die globale Selbsthilfe-Gruppe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%