Wrestling im US-Fernsehen
Putin zur Primetime

Das US-Fernsehen schlägt aus dem Russland-Konflikt Kapital: Wenn der Wrestler Rusev Gegnern seine Ferse in den Rücken bohrt, buht ihn die Halle aus. Denn Rusev ist der Böse. Der zeichnet sich durch eins aus: Russe sein.
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„Rusev“ ist eine beeindruckende Erscheinung. 1,83 Meter hoch, 138 Kilogramm Kampfgewicht, Kraft- und Kampfsportler, Arme wie Baumstämme, entschlossener Blick. Rusev ist Wrestler, tritt Woche für Woche in den Showkämpfen des US-Marktführers WWE auf. Seine Bühne: Die am längsten laufende Serie des amerikanischen Fernsehens, die Live-Show „Raw“.

Wenn Rusev Gegnern wie dem ehemaligen US-amerikanischen Olympia-Teilnehmer Mark Henry seine Ferse in den Rücken bohrt und seinen Aufgabegriff ansetzt, buht ihn in die gesamte Halle aus. Mehrere Tausend bei jeder Show. Denn Rusev ist der Böse. Und der Böse zeichnet sich vor allem durch eins aus: Russe sein.

Wenn der wandelnde Koloss vor und nach jedem Match aufreizend die russische Flagge schwenkt, schwillt der Hass. Gemäß Geschichte ist Rusev „Held der russischen Föderation“. Begleitet wird er von einer jungen Frau im knappsten Business-Kostüm, die mit hartem russischen Akzent die Menge beleidigt. „Sie sagen, wir sind hier im Herzen Amerikas“, erklärte sie unlängst bei einem Auftritt. „Doch ich sage: Amerika hat kein Herz.“


Lana, wie die Figur so klischeehaft wie möglich heißt, setzte sogar noch einen drauf: „Wenn Amerika ein Herz hätte, wäre es aus China.“ Die WWE versteht sich darauf, zu polarisieren. Dazu gehört auch das riesige Bild Wladimir Putins, des Kremlchefs, das bei den Auftritten Rusevs von den gigantischen Monitoren spöttisch auf das amerikanische Volk blickt. „USA! USA!“ tönen in diesen Momenten die Schlachtrufe aus tausenden Kehlen. Mittlerweile verteidigt sogar Dwayne „The Rock“ Johnson, Hollywood-Star und größter Trumpf der WWE zu besonderen Anlässen, vor laufenden Kameras die Ehre Amerikas.

Wer sich für Wrestling interessiert, und das ist seit dem Wiedereinstieg der WWE in den deutschen Free-TV-Markt in diesem Jahr hierzulande eine steigende Zahl, findet sich in den Shows des Unterhaltungskonzerns derzeit unfreiwillig im Kalten Krieg wieder. Die Showkämpfe haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, aus der Rummelplatzveranstaltung „Catchen“ ist längt ein hochprofessionelles und einträgliches Business geworden – das aus dem politischen Konflikt zwischen Russland und den USA Kapital schlägt.

Kommentare zu " Wrestling im US-Fernsehen: Putin zur Primetime"

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  • Alles Facade, eben Hollywood like. Große Bereiche der Medien und Finanzwirtschaft manipulieren und berauben die Gesellschaft ... Wo ist die amerikanische Mittelschicht geblieben? Wo die Würdigung der wahren Leistungsträger? Wo ist der amerikanische Traum geblieben?

  • So eine Story als Titelgeschichte bei HB-Online? Ich wundere mich... Gibts nichts Wichtigeres? :-)

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