Wulff tritt in der Schweiz auf
Der deutsche Jimmy Carter

Der Prozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff neigt sich dem Ende zu. Ein Freispruch ist wahrscheinlich. Schon denkt der 54-Jährige laut über seine Zukunft nach – am Rande einer Tagung in der Schweiz.
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InterlakenNein, zu der laufenden Gerichtsverhandlungen und seinen Affären, dazu werde sich Christian Wulff nicht äußern. Das stellt Tagungsmoderator Stephan Klapproth gleich vor dem Vortrag des deutschen Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff klar. Zum ersten Mal seit Prozessbeginn stellt sich der CDU-Politiker einer breiten Öffentlichkeit. Dazu wählt er das Internationale Alpensymposium im malerischen Interlaken.

Wulff wirkt entspannt, als er an das Rednerpult im gut besetzen Saal im Victoria-Jungfrau-Hotel tritt. Die präsidiale Geste hat er nicht verlernt. Dunkles Tuch, am Revers die „Sonderstufe des Großkreuzes“, die höchste Stufe des Verdienstordens. „Ich habe mich mein ganzes Leben für Weltoffenheit eingesetzt“, beginnt er seinen Vortrag zum Thema „Grenzen überwinden – Offenheit für Fremde und Fremdes“.

Mit seinem Plädoyer für Integration und offene Grenzen mischt sich Wulff ganz bewusst aus der Schweiz heraus in die innerdeutsche Debatte um Einwanderung in die Sozialsysteme ein. Diese hatte die CSU mit einem Strategiepapier losgetreten, das in dem Satz gipfelt: „Wer betrügt, der fliegt.“

Zur Debatte um Armutseinwanderung sagt Wulff: „Der Schaden für Rumänien und Bulgarien, ihre besten Köpfe zu verlieren, ist für beide Länder sicher größer, als der Schaden, dass einzelne versuchen könnten, unsere Sozialsysteme zu missbrauchen.“ Deutschland habe durch Einwanderung mehr zu gewinnen als zu verlieren.

Sein Bekenntnis zu Integration ist wohl das wenige, das neben Skandalen um dubiose Privatkredite und Urlaube auf Einladungen von Wulffs Präsidentschaft bleibt. Bei der 20-Jahrfeier zur Deutschen Einheit hatte Wulff Aufsehen mit dem Satz gesorgt, dass „der Islam inzwischen zu Deutschland gehört“.

Daran will Wulff nach dem erhofften Freispruch offenbar wieder anknüpfen. Er wolle seine Arbeit in Stiftungen fortsetzen, und „meine Kontakte in die islamische Welt nutzen“, sagt Wulff nach seinem Vortrag zu Handelsblatt Online. Im März werde er auf einer großen Konferenz im türkischen Bursa sprechen, kündigt er schon mal an. „Die deutsch-türkischen Kontakte werden ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein“, so Wulff weiter. Auch seine Anwaltstätigkeit wolle er wieder aufnehmen.

Moderator Klapproth sagte er zuvor, dass er im Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter ein Vorbild sieht. „Auch dessen Präsidentschaft war recht kurz“, danach habe Carter aber sich in 33 Jahren einen Namen als Vermittler bei internationalen Konflikten gemacht. Bevor Wulff aber als Friedensengel seine Reputation wieder aufpolieren kann, muss er noch das Strafverfahren mit einem Freispruch bestehen.

Kommentare zu " Wulff tritt in der Schweiz auf: Der deutsche Jimmy Carter"

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  • Herr Wulff ist nicht promoviert (s. Wikipedia). Sie sind ein Penner und nicht allein.

  • Sie haben das schwärzeste Schaf dieser Welt vergessen: "blackrock" heißt es, in aller Welt finanziell in Abzocke verstrickt, auch in Deutschland und Europa. Natürlich gehört auch Goldman Sachs dazu wie der EZB-Künstler Draghi oder die Gen-Mafia Monsanto. Noch Fragen? An dieser Situation geht die Welt zugrunde!

  • In Brüssel wird doch wohl noch ein Plätzchen für diesen abgeschobenen Mann vorhanden sein. Oettinger und andere sind ja auch schon da.

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