Wunsch der Nato
Deutschland schickt Soldaten in den Kosovo

Die Nato hat Deutschland um Entsendung weiterer Soldaten in den Kosovo gebeten. Peter Struck hat dem Wunsch entsprochen und 600 zusätzliche Bundeswehr-Soldaten zur Verstärkung des Nato-Einsatzes in den Kosovo geschickt. Er hoffe, dass dies zur Beruhigung der Lage beitragen werde. Der Kosovo wird wieder von Ausschreitungen zwischen Serben und Albanern erschüttert.

HB BERLIN/PRISTINA. Am Donnerstagabend kam es nahe der Provinzhauptstadt Pristina auch zu Zusammenstößen zwischen Kosovo-Albanern und Soldaten der internationalen Schutztruppe. Das Verteidigungsministerium teilte in Berlin mit, die Bundeswehr verlege am Samstag ein zusätzliches Panzergrenadierbataillon in die Einsatzregion. Mit der Verstärkung solle die Sicherheit der Kosovo-Stabilisierungstruppe KFOR gewährleistet und auch ein deutliches Signal an die Konfliktparteien gesetzt werden, ihren Streit rasch beizulegen. Insgesamt werden nach der Verlegung rund 3 800 Bundeswehr-Soldaten im Kosovo stationiert sein. Das Bundestagsmandat sieht eine Obergrenze von 8 500 Soldaten vor.

Auch andere Nato-Staaten verstärkten am Freitag ihre Präsenz im Kosovo. Rund 150 britische Soldaten kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London am Morgen in der Unruheregion an, in der bereits 18 500 Soldaten der Allianz stationiert sind. Am Vortag waren bereits 150 US-Soldaten sowie 80 italienische Carabinieri eingetroffen. Bei den jüngsten Zusammenstößen in der Provinz sind nach Behördenangaben mindestens 31 Menschen ums Leben gekommen.

Der Chef der UN-Polizeitruppe im Kosovo, Derek Chappell, äußerte sich am Morgen vorsichtig optimistisch zu den Aussichten für eine Stabilisierung der Lage. Es habe in der Nacht keine weiteren größeren Zusammenstöße gegeben.

Rund 300 französische Soldaten der internationalen Schutztruppe durchkämmten unterdessen in der Stadt Mitrovica Wohngebäude, aus denen örtlichen Medien zufolge Heckenschützen gefeuert haben sollen. 15 gepanzerte Fahrzeuge der Schutztruppe blockierten die Brücke über den Fluss, der den serbischen vom mehrheitlich von Albanern bewohnten Teil der Stadt trennt. Wegen der anhaltenden Gewalt im Kosovo waren in der Nacht bereits Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) in Mitrovica in Sicherheit gebracht worden. Die serbische Regierung drängt die UN zu verstärkten Maßnahmen zur Friedenssicherung. Sie kündigte für den Mittag eine Demonstration in Belgrad gegen albanische Übergriffe im Kosovo auf die serbische Minderheit an.

Der Kosovo wird seit Juni 1999 von den UN verwaltet. Zuvor hatte die Nato elf Wochen lang Luftangriffe gegen Jugoslawien - dem heutigen Staatenbund Serbien und Montenegro - geflogen, um die Regierung zur Annahme eines Friedensplans zu zwingen. Sicherheitskräfte aus Jugoslawien und der Teilrepublik Serbien waren mit großer Härte gegen albanische Separatisten vorgegangen.

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