Wunschkandidat für den Nato-Generalsekretär
Anders Fogh Rasmussen: Taktiker in eigener Sache

Der Taktiker hält sich zurück. Für seine Ernennung zu Nato-Generalsekretär hat der dänische Premier Anders Fogh Rasmussen zwar die Unterstützung der wichtigsten Bündnisländer sicher, doch die Türkei meldet Bedenken an. Rasmussen reagiert wie oft in seiner politischen Karriere - er taktiert.

Eines kann man Anders Fogh Rasmussen nicht nachsagen: Dass er keinen Riecher für die Situation der Stunde hätte. Der Noch-Premier aus Dänemark wusste schon immer, wo es langgeht. Das gilt auch für den heute beginnenden Jubiläumsgipfel der Nato, der mit der Ernennung Rasmussens als neuem Nato-Generalsekretär gekrönt werden soll. Die Unterstützung der wichtigen Bündnisländer hat der 56-Jährige. Doch da gibt es ein Problem mit der Türkei. Das Nato-Land ziert sich, ist nicht gut auf Rasmussen zu sprechen, weil der nach Meinung Ankaras einst keine gute Figur beim Streit um die Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung gemacht habe. Außerdem gilt der rechtsliberale dänische Regierungschef nicht als größter Fürsprecher eines türkischen EU-Beitritts.

Weil das so ist, hat Rasmussen seine Kandidatur offiziell noch nicht bestätigt - man kann schließlich nie wissen, wie sich die Sache entwickelt. Er sei halt ein Taktiker mit großem "T", sagen die einen zuhause in Dänemark. Die anderen nennen ihn ein "Fähnchen im Wind". Sicher ist, dass der Sohn eines Landwirts schon immer viele Türchen offen ließ, wenn es der eigenen Karriere zuträglich war. Als er 1998 den Vorsitz der rechtsliberalen Venstre in Dänemark übernahm, gab es kaum jemanden, der ihm noch Größeres zutraute. Doch der Wirtschaftswissenschaftler gewann drei Jahre später die Parlamentswahlen. Dass es nicht zu einer bürgerlichen Mehrheit reichte, störte ihn wenig: Mit der ausländerfeindlichen dänischen Volkspartei hatte er einen idealen Stimmengeber gefunden. Proteste prallten an ihm ab.

Seine Fürsprecher zollen ihm Respekt für seine pragmatische Art, auch in schwierigsten Situationen eine Lösung zu finden. Diese Begabung dürfte ihn für den Top-Job in Brüssel besonders auszeichnen: Ein Krisenmanager ist er allemal.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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