Wut der Bürger wächst
Irland taumelt dem Kollaps entgegen

Irlands Abstieg vom Star zum Sorgenkind der Euro-Zone verläuft in atemberaubenden Tempo. Die Immobilienblase platzt, die Banken kollabieren, die Arbeitslosenzahlen schießen in die Höhe. Die Regierung in Dublin unter Brian Cowen wirkt hilflos - und die Wut der Bürger wächst.

LONDON. Die Parallelen zwischen dem Schicksal der Nachbarn Großbritannien und Irland sind frappierend: Erfolgreiche Regierungschefs treten nach einem langen Boom die Macht an ihre grimmigen Finanzminister ab und schon geht es abwärts. Die internationale Finanzkrise stürzt beide Länder in eine tiefe Rezession und die glücklosen Nachfolger in Umfragetiefs. Die Immobilienblase platzt, die Banken kollabieren, die Arbeitslosenzahlen schießen in die Höhe.

Doch so offensichtlich die Parallelen sind, es gibt auch viele Unterschiede zwischen Großbritannien unter Gordon Brown und Irland unter Brian Cowen. Der Boom der Briten basierte auf Londons Rolle als globaler Finanzmetropole, der der Iren auf der Nische als preisgünstiger, englischsprachiger Produktionsstandort in der Euro-Zone. Die Briten kamen dank Margaret Thatchers Reformen zu neuem Wohlstand, die Iren erreichten dank EU-Hilfe und kluger Standortpolitik ein nie gekanntes Niveau des Lebensstandards.

Umso härter ist nun der Absturz für den viel gepriesenen "keltischen Tiger". Eben noch ein Musterland mit sechs Prozent Wachstum und Haushaltsüberschuss, tauchte Irland als erstes Land der Euro-Zone in die Rezession ein. Die Mehrheit der Ökonomen erwartet nun, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um vier bis fünf Prozent schrumpfen wird. In der jüngsten Prognose des Dubliner Brokerhauses Davy ist sogar von sieben Prozent minus die Rede. Das Haushaltsdefizit veranschlagen manche Ökonomen auf zehn Prozent des BIP, andere auf bis zu 14 Prozent.

Wie konnte es zu einem derartigen Absturz kommen? Letztlich sind es die Faktoren für den Aufstieg Irlands, die jetzt ihre Schattenseiten zeigen: die starke Abhängigkeit von US-Investoren und Exporten, die Mitgliedschaft in der Euro-Zone, der große Finanzsektor und der enorme Bauboom.

Unter der weltweiten Rezession leidet Irland genauso wie andere exportstarke Staaten. Dazu kommt, dass sich manche der von niedrigen Steuersätzen und der Nähe zu den großen europäischen Märkten angelockten US-Investoren zurückziehen oder Stellen abbauen. Die Zinsen der Europäischen Zentralbank, die in den Boomjahren zu niedrig waren, sinken nun für Rezessions-Vorreiter Irland zu langsam. Die lasche Regulierung, die zusammen mit niedrigen Steuersätzen das Finanzzentrum Dublin entstehen ließ, erweist sich in der Bankenkrise als kostspieliger, rufschädigender Fehler. Und das Ende des Immobilienrausches zieht die Banken in den Abgrund und trägt entscheidend dazu bei, dass die Arbeitslosenquote schon über neun Prozent liegt.

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