Wut in Ägypten
Massenproteste vor Israels Botschaft in Kairo

Der Tod ägyptischer Grenzpolizisten hat zur schwersten diplomatischen Krise zwischen Israel und Ägypten seit dem Sturz von Machthaber Husni Mubarak geführt. Aus dem Gazastreifen wird Israel mit Raketen beschossen.
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JerusalemDie Übergangsregierung in Kairo bezeichnete die Reaktion des Nachbarlands Israel auf den Vorfall am Sonntag als unzureichend. Angesichts der Gewalteskalation zwischen Israelis und Palästinensern wollte die Arabische Liga in Kairo über die Situation beraten. Das vom israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak vorgebrachte Bedauern über den Tod der Polizisten sei nur "oberflächlich positiv", werde dem "Ausmaß des Zwischenfalls" aber nicht gerecht, zitierte die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA aus einer Erklärung der Regierung in Kairo. Demnach verlangt Ägypten von Israel die Vorlage eines Zeitplans für die angebotene gemeinsame Untersuchung des Vorfalls.

Die fünf Grenzpolizisten waren am Donnerstag unter noch ungeklärten Umständen getötet worden. Das ägyptische Staatsfernsehen hatte am Samstag berichtet, Kairo werde seinen Botschafter aus Israel abziehen. Die israelische Regierung teilte jedoch mit, über den Schritt nicht informiert worden zu sein. Ägyptische Beamte, die anonym bleiben wollte, erklärten, diesbezüglich werde noch verhandelt. Ein weiterer Beamter sagte, der Botschafter werde nicht abgezogen.

Vor der israelischen Botschaft in Kairo demonstrierten in der Nacht zum Sonntag wieder tausende Menschen. Laut Augenzeugen beschossen sie mit Feuerwerkskörpern die israelische Flagge auf dem Gebäude und holten sie später vom Dach herunter. Die Militärpolizei löste die Demonstration nicht auf, zwei Generäle versuchten jedoch die Teilnehmer zu beruhigen. Am vierten Tag in Folge schlugen am Sonntag erneut Raketen aus dem Gazastreifen im Süden Israels ein, Opfer oder Schäden gab es laut israelischer Armee nicht.

Seit dem frühen Sonntagmorgen seien etwa 17 Geschosse abgefeuert worden. Zudem schlugen am Sonntag zwei Raketen aus dem Gazastreifen in Ägypten ein, wie das ägyptische Staatsfernsehen berichtete. Offenbar sollten sie einen nahegelegenen israelischen Stützpunkt treffen. Bei einem israelischen Luftangriff auf das palästinensische Gebiet wurden Augenzeugen zufolge zwei Menschen leicht verletzt.

Nach Angaben von palästinensischen Ärzten wurden bei den israelischen Luftangriffen als Vergeltung auf eine Anschlagsserie mit acht toten Israelis am Donnerstag insgesamt 15 Menschen getötet und 47 verletzt. Durch den Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen wurden am Samstag ein Israeli getötet und rund 15 Menschen verletzt.

Bei einer Razzia im Westjordanland nahm die israelische Armee am Sonntag zudem nach palästinensischen Angaben dutzende Mitglieder der radikalislamischen Hamas-Bewegung fest. Ein Vertreter der palästinensischen Sicherheitskräfte sprach von 120 Festnahmen. Darunter sei auch der Hamas-Abgeordnete Mohammed Motlak Abu Dsch'heischa. Die israelische Armee wollte sich nicht zu den Ereignissen äußern.

Angesichts der Gewalt berief die Arabische Liga für Sonntag eine Krisensitzung in Kairo ein, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zur Situation im Gazastreifen. Ägypten forderte Israel zudem zum sofortigen Stopp seiner Luftangriffe auf den Gazastreifen auf. Das Nahostquartett von Europäischer Union, Vereinten Nationen, der USA und Russland warnte vor dem «Risiko einer Eskalation» der Gewalt in der Region.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Waffenstillstandslinie oder dauerhafte Grenze
    blau: Israel nach dem UN-Teilungsplan, magenta: israelische Geländegewinne nach dem WaffenstillstandsabkommenDas Abkommen ließ 17,5 % des ursprünglichen Britischen Mandats über Palästina in israelischer Hand (eine andere oft genutzte Zahl ist 70 % des Mandatgebietes, ohne Jordanien). Der Gazastreifen und das Westjordanland, blieben bis 1967 ägyptisch und jordanisch besetzt. Im Vergleich mit dem UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 brachte der Krieg für Israel erhebliche Geländegewinne.

    Die Waffenstillstandsabkommen sollten nur als Interimsabkommen dienen, bis sie durch dauerhafte Friedensverträge ersetzt würden. Auch Jahrzehnte später sind noch immer nicht Friedensverträge mit allen ehemaligen Kriegsgegnern unterzeichnet worden (bisher: 17. September 1978 mit Ägypten in Camp David, 25. Juli 1994 mit Jordanien in Washington).

    Mit Ausnahme des Abkommens mit dem Libanon, machten die Waffenstillstandsabkommen (auf arabisches Betreiben hin) klar, dass sie keine permanenten De-jure-Grenzen festlegten. Das ägyptisch-israelische Abkommen besagte etwa ausdrücklich:

    "The Armistice Demarcation Line is not to be construed in any sense as a political or territorial boundary, and is delineated without prejudice to rights, claims and positions of either Party to the Armistice as regards ultimate settlement of the Palestine question."



    http://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstandsabkommen_von_1949#Waffenstillstandslinie_oder_dauerhafte_Grenze

  • ---http://aro1.com/jetzt-ist-die-zeit-dem-gasa-terror-ein-fuer-alle-mal-zu-beenden/--

    ja gebt den Palestinensern endlich ihr Land zurück

  • Jetzt ist die Zeit dem Gasa-Terror ein fuer alle mal zu beenden.
    Ich hoffe Netanjahu wird jetzt den Koalitionsvertrag mit Israel Beiteinu erfuellen und der Hamas ein Ende setzen. Nach ueber 80 Raketen ueber 10 Toten, vielen Verletzen und kein Ende in Sicht, sagen sich viele Israelis: Bis hier, es reicht!.................

    http://aro1.com/jetzt-ist-die-zeit-dem-gasa-terror-ein-fuer-alle-mal-zu-beenden/

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