Yanis Varoufakis „Alle hassen mich“

„Spieler“, „Amateur“, „Zeitverschwender“: Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis muss von seinen EU-Kollegen ganz schön viele Vorwürfe einstecken. Premier Alexis Tsipras hält an seinem Minister fest – noch.
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Griechenlands Finanzminister bekommt Spott zu hören. Quelle: Reuters
Yanis Varoufakis

Griechenlands Finanzminister bekommt Spott zu hören.

(Foto: Reuters)

AthenAllein gegen alle – das ist die Rollenverteilung, wenn der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis seine europäischen Amtskollegen trifft. So war es jetzt auch beim Treffen der Eurogruppe in Riga. Der Grieche ist im Kreis seiner Kollegen isoliert. Er wird zu einer Hypothek für sein Land. Einmal mehr sei der griechische Finanzminister unvorbereitet zu der Sitzung erschienen, schrieb am Sonntag die Athener Zeitung „To Vima“.Varoufakis habe „jede Glaubwürdigkeit verloren“, kommentierte das Blatt und spekulierte über einen bevorstehenden Rausschmiss des Ministers. Doch Premier Alexis Tsipras hält an Varoufakis fest – noch.

Wenn Varoufakis twittert, lesen rund 395.500 Follower mit. Häufig verweist er bei Twitter auf eigene Vorträge und Papiere. Am Sonntag zitierte er den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt: „Sie sind vereint in ihrem Hass auf mich; und mir ist ihr Hass willkommen.“ Roosevelt sprach die Worte am 31. Oktober 1936 im Madison Square Garden, drei Tage vor der Präsidentschaftswahl. Er meinte „die Feinde des Friedens, Monopole, Spekulanten, rücksichtslose Banker“. Wen Varoufakis meint, ist ziemlich offensichtlich: seine 18 Kollegen in der Eurozone. Denn mit denen scheint für den Griechen gar nichts mehr zu gehen.

Kaum war Yanis Varoufakis am Samstagnachmittag vom Treffen der EU-Finanzminister in Riga nach Athen zurückgekehrt, schwang er sich in den Sattel seiner Yamaha. Er knatterte zur Villa Maximos, dem Amtssitz von Ministerpräsident Alexis Tsipras. In seiner schwarzen Biker-Montur, den Helm in der Hand, stieg Varoufakis die Stufen zum klassizistischen Säulenportal der Villa hinauf, um den Premier über die Ergebnisse der Sitzung zu informieren.

Gutes konnte er nicht berichten. Die Erwartung der griechischen Regierung, man werde in Riga „zu 100 Prozent eine Einigung erzielen“, wie Staatsminister Alekos Flambouraris noch wenige Tage zuvor ankündigte, hat sich nicht erfüllt. Den Amtskollegen in der Eurogruppe reichen die griechischen Reformvorschläge nicht, die genannten Zahlen sind ihnen zu vage. Das bedeutet: Griechenland muss weiter auf Hilfsgelder warten. Erst am Montag hatte sich die in Athen gehegte Hoffnung auf einen Milliardenkredit aus Russland zerschlagen – Gazprom-Chef Alexei Miller kam mit leeren Händen zum Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten. Am Tag vor der Eurogruppe war dann auch Tsipras‘ Versuch gescheitert, die Finanzminister zu umgehen und im direkten Gespräch mit Angela Merkel Geld locker zu machen.

In der EU wächst der Frust
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15 Kommentare zu "Yanis Varoufakis: „Alle hassen mich“"

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  • Alle hassen Sie, Herr Varoufakis? Du meine Güte, wie kann man eine solche Witzfigur von Finanzminister denn hassen? Sie müssen sich einfach nicht so wichtig nehmen. Dann wird alles nicht so schlimm, Herr varoufakis, und Sie können ruhig weiter zocken. Ich bin sicher, dass die Griechen Sie für einen ganz großes Pokergenie halten. Das ist mehr, als man von kommunistischen Salonlöwen mit ausgeprägtem Hang zum Kapitalismus sonst erwarten kann.

  • Einen Gruß an alle Eurokraten und ihren Anhang: "Jedoch der schrecklichste aller Schrecken, / Das ist der Mensch in seinem Wahn" Schiller-Lied von der Glocke.

  • Was soll Varoufakis tun? Er kämpft gegen den Wahnsinn seiner Vorgänger, der Euro-Zone beigetreten zu sein und die Verteidiger dieser absurden Idee vom Vorteil einer gemeinsamen Währung als politischer Klammer in Europa. Aber er soll nur hart bleiben, denn in nicht allzu langer Zeit werden sich ihm andere Mittelmeeranreiner und Frankreich dazu gesellen und dann kommt sowieso für alle die Nacht der langen Messer, wo eine genetisch kranke Währung den lange vorausgesagten Tod erleidet: Das Dumme ist nur, auf unser aller Kosten!!!

  • @ Klaus Hofer:
    Ein wahrer Kommentar!
    Was man an Herrn V lassen muss, er setzt sich für sein Wahlvolk ein, was man von Merkel und Schäuble nicht behaupten kann.

    > Merkel: Mit mir wird es keine Maut geben.
    > Schäuble: Griechenland ist auf einem guten Weg.
    > Die Unterstützungsprogramme für Griechenland laufen 2013 aus?
    > Ein drittes Rettungspaket für Griechenland wird es nicht geben.

    Stand der ELA Notkredite laufen auf 90 Mrd zu geschätzt, (genaue Zahlen werden nicht veröffentlicht).

    Schönen Tag noch.

  • @Zanker...Menschen die die Wahrheit sagen waren in der Menschheitsgeschichte noch nie wirklich beliebt!!
    Der Umkehrschluss "Warum ist Frau Merkel so beliebt?"

  • „Alle hassen mich“

    Mit der Feststellung hat er wohl kaum unrecht, sollte sich aber auch mal fragen welchen Anteil er selber an dieser Tatsache hat.

  • @Spirat.....ich sage es Ihnen gerne nochmal. Alexander war Mazedonier!!!! Aber Nazis waren noch nie gebildete Menschen.

  • Varoufakis ist doch nur ein Vorzeigesymbol der Cafenion - Sozialisten, welche in dozierender Manier anderen erklären wollen, wie Wirtschaft funktioniert. Statt eine eingehende Analyse der Ursachen für die totale Miesere in Griechenland vorzunehmen und in harter Detailarbeit ein schlüssiges Konzept für eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu entwickeln, suchen diese Leute die Schuld für die Lage in Griechenland beim IWF, der EU etc. Wie selbstverständlich fordern diese Cafenion - Sozialisten weitere Millarden - ohne Transparenz und Gegenleistungen versteht sich - ein und weisen auf den Stolz der Griechen hin. Auch Stolz muß man sich erarbeiten, um ihn sich leisten zu können...

  • Was immer auch hier kommentiert wird, ja, die Griechen müssten raus.
    Aber eines kann man dem Vourofakis nicht vorwerfen, er setzt sich, auf welche Art auch immer, für sein Volk, sein Land und seine Wähler ein. Das kann man von unseren gewählten Politikern vorne dran Merkel und Schäuble nun wirklich nicht sagen Sie arbeiten gegen Ihr Volk.

    Wie immer es auch dem deutschen Michel verkauft wird, EU und Deutschland werden bezahlen unter welcher Begründung auch immer.

  • Glaube nie einem Vertreter eines Volkes, was sich bis heute geweigert hat, für gegangene Gräultaten zu bezahlen.

    Völkermord ist Völkermord!

    Egal, ob es die Türken an den Armeniern waren
    Oder Alexander der Große Massenschlächter an den Persern.

    So etwas verjährt nie!

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