Yanis Varoufakis
Merkel denkt nicht einmal an „Grexit“

Athen will im Schuldenstreit neue Vorschläge vorlegen. Der griechische Finanzminister Varoufakis hofft indes auf einen Bluff - und EU-Kommissionspräsident Juncker will alles tun, damit es nicht zu einem „Grexit“ kommt.
  • 1

Athen/BrüsselNach dem Gesprächsabbruch der IWF-Delegation am vergangenen Donnerstag kommt wieder Bewegung in den Schuldenstreit zwischen EU, IWF und Griechenland. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zufolge gibt es an diesem Wochenende Gespräche mit griechischen Regierungsvertretern über neue Reformvorschläge. Wie die Zeitung „Die Welt“ berichtete, wird bei den Unterredungen in der belgischen Hauptstadt Brüssel auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vertreten sein. Das IWF-Team hatte die Verhandlungen mit Griechenland am Donnerstag wegen „bedeutender Differenzen“ verlassen.

Juncker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Schengen (Luxemburg), der griechische Regierungschef Alexis Tsipras wisse, dass die Lage sehr Ernst sei. „Er weiß, dass die Lage sich zuspitzt. Ich habe ihm das in allen Farben und in mehreren Sprachen nahegebracht.“ Juncker sagte auch, er verfüge „eigentlich über einen guten Draht“ zu Tsipras, auch wenn es manchmal Schwierigkeiten gebe.

Er habe Tsipras am Donnerstag „Wege aufgezeigt“, wie Reformvorschläge der EU von der griechischen Seite verändert werden könnten, sagte Juncker. „Maßnahmen, die nicht auf griechischen Zuspruch treffen“, könnten „durch andere Maßnahmen ersetzt werden, die die gleichen Finanzerträge zeitigen“: „Daran arbeitet die griechische Regierung jetzt.“ In der kommenden Woche - am 18. Juni treffen sich die Finanzminister der Eurogruppe - würden dann „die politischen Schlussfolgerungen“ gezogen. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde wird wieder mit am Tisch sitzen.

Die griechische Regierung hält eine Verständigung bis dahin für möglich. „Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenlands weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre“, sagte Staatsminister Alekos Flambouraris am Freitag im Staatssender ERT.

Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der IWF verhandeln mit der Athener Regierung über ein verbindliches Reformprogramm. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland bisher blockierte Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erhalten kann, um es vor der Pleite zu retten. Das Gezerre um eine Rettung hatte am Freitag auch die US-Börsen belastet.

Während sich die Regierung in Athen zuletzt in Optimismus übte, erörterten die Euroländer Notfallpläne. Entsprechende Szenarien besprachen die Finanzstaatssekretäre der Währungsgemeinschaft erstmals am Freitag bei einem Treffen in der Slowakei.

Die Regierung in Athen ist bereit, die Unterredungen mit den Gläubigern anzukurbeln, damit es bald zu einem Abkommen kommt. Renten- und Lohnkürzungen jedoch werde Griechenland nicht akzeptieren, verlautete aus Regierungskreisen. Athen verhandle lediglich über eine Umstrukturierung der Schulden sowie niedrige primäre Überschüsse, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt werden kann. Griechenland bleibt damit hinter grundsätzlichen Forderungen der Gläubiger zurück.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mahnte Athen, endlich seriöse Vorschläge zur Krisenlösung vorzulegen. „Wenn die griechische Regierung nicht bereit ist, schwierige Maßnahmen zu ergreifen, dann kommen sie nie aus der Misere“, sagte er im niederländischen Fernsehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht weiter von einer Lösung aus. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, bekräftigte sie in Berlin. „Aber der Wille muss von allen Seiten kommen.“

Zu den von den Euro-Finanzstaatssekretären in der slowakischen Hauptstadt Bratislava erörterten Notfallplänen gehören unter anderem Kontrollen des Kapitalverkehrs. Solche Kontrollen könnten aber nur von Athen selbst angeordnet werden, hieß es. Ziel solcher Notmaßnahmen ist es, den Abfluss von Geldern aus einem Land zu bremsen. Die Euro-Finanzminister hatten bisher in der Eurogruppe nicht über Alternativszenarien zu einer Rettung Griechenlands diskutiert.

Seite 1:

Merkel denkt nicht einmal an „Grexit“

Seite 2:

Varoufakis setzt auf Bluff

Kommentare zu " Yanis Varoufakis: Merkel denkt nicht einmal an „Grexit“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sehr geehrter Herr Varoufakis,

    es mag ja sein, dass Frau Merkel nicht an einen Grexit denkt, nur Frau Merkel ist nicht Deutschland. Zum Einen muss der Bundestag/-rat zustimmen, zum Anderen hat in Deutschland das Groh der Bevölkerung keine Lust für Griechenland zu zahlen.

    Deshalb - es ist wurscht was Frau Merkel denkt - wichtig ist einzig und allein was das Parlament will.

    Somit - Sie werden dieses Spiel verlieren!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%