Yanis Varoufakis und seine Art: Wie der Witzbold aus der Heute-Show

Yanis Varoufakis und seine Art
Wie der Witzbold aus der Heute-Show

Mit den Deutschen und den Griechen ist es wie mit Zoobesuchern, die sich vor dem Affenkäfig vergnügen und nicht merken, dass die Schimpansen sie zum Narren halten. Dieses Spiel beherrscht Yanis Varoufakis perfekt.
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Europa hat immer noch Probleme damit, die Botschaften zu dechiffrieren, die das griechische Duo Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis aussendet. Mal wollen sie mit „den Institutionen“ (früher bekannt als Troika) kooperieren, mal beschimpfen sie sie als Erpresser. Mal tragen sie „die Deutschen in unseren Herzen“, mal sind wir Nazis, die immer noch keine Reparationen zahlen wollen.

Am Donnerstag trat das Duo in Paris auf, am Sitz der OECD. Tsipras hielt eine lange Rede auf Englisch, mühsam vom Blatt abgelesen, dafür gefüllt mit allem, was OECD-Generalsekretär Angel Gurría glücklich stimmte: Tsipras sprach von „grünem Wachstum“, von „inklusivem Wachstum“, von „ausgewogenem Wachstum“, „digitalem Wachstum“, erwähnte in jedem zweiten Satz „echte Strukturreformen“, drohte Oligarchen, Monopolen und Oligopolen („…und allen sonstigen -polen“, ergänzte Gurría verschmitzt) und erhellte das brechend volle Auditorium im OECD-Gebäude mit der Feststellung, er schaue „nicht zurück in die Vergangenheit, sondern voraus in die Zukunft“, die Griechenland „hoffentlich zusammen mit der OECD vorbereiten wird. Es war ein wenig, als habe ein Witzbold aus der Heute-Show alle Phrasen der Reform-Rhetorik per copy and paste zu einer Rede zusammen geklebt.

Da überkommt einen der Verdacht, dass wir im Umgang mit der neuen griechischen Regierung einen fundamentalen Fehler machen: Wir erwarten bestimmte Botschaften von ihr und glauben, die gäben Aufschluss über ihr Verhalten. Wenn sie brav Reformen gelobt, sind wir froh: die Linkspopulisten sind auf dem Reformweg, sie nähern sich der Wirklichkeit an.

Wenn sie einen Schuldenschnitt verlangt, sind wir böse: die Linkspopulisten fallen in den Linkspopulismus zurück. Das ist ein wenig wie mit Zoobesuchern, die sich vor dem Affenkäfig vergnügen und nicht merken, dass die Schimpansen sie zum Narren halten.

Varoufakis, der auf einige seiner Kollegen in der Eurogruppe wie eine Tarantel wirkt, beherrscht dieses Spiel noch besser als sein Chef Tsipras. Wer ihm einen Vorwurf daraus macht, er sei unseriös, trifft ihn womöglich überhaupt nicht. Logisch konsistente Aussagen sind nicht unbedingt das Ziel, das sein Verhalten steuert.

Am Donnerstag gab er ungewollt einen Einblick in seine Gedankenwelt. Von Journalisten wurde er am Rande des Tsipras-Auftrittes gefragt, wie es denn nun sei mit den deutschen Reparationen. „Reden Sie nicht so leichtfertig von Dingen, die zu ernsten Verstimmungen führen können!“ fuhr der Minister scheinbar zornig die Medienleute an. Dann fuhr er breit grinsend fort: „Erinnern Sie sich nicht? Fawlty Towers, don’t mention the war!“

Großes Rätselraten. Fawlty Towers? Ja, eine alte BBC-Serie aus den 70er-Jahren mit Monty-Python-Star John Cleese als ständig aus der Haut fahrendem, unberechenbaren Hotel-Chef Basil Fawlty. In einer der besten Folgen empfängt er zwei deutsche Familien. „Don’t mention the war!“ schärft er seiner Frau ein, um dann selber beim Dinner die Bestellung aufzunehmen: „Dann haben wir also einen Hermann Göring, zwei Josef Goebbels…“ Einer der Deutschen beschwert sich, das sei unfair. Cleese: „Nun hören Sie doch auf mit dem Krieg!“ Darauf der Deutsche: „Sie haben doch angefangen!“ Cleese: „Nein, Sie, Sie haben Polen überfallen!“

Der Verdacht liegt nahe, dass Varoufakis nicht in Jeroen Dijsselbloem und Wolfgang Schäuble seine Rollenvorbilder sieht. Sondern eher in John Cleese. Die Eurogruppe als Fawlty Towers, Yanis „John“ Varoufakis mitten drin als Animateur, der seine unterirdischen Späße treibt: Das würde manche der kuriosen Auftritte des Griechen erklären.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Yanis Varoufakis und seine Art: Wie der Witzbold aus der Heute-Show"

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  • "Ein Exempel zu statuieren ist jedenfalls ziemlich dumm - denn dadurch geht es Europa nicht besser."

    Mit "Exempel statuieren" ist kein dumpfhirniges Rausschmeißen gemeint, sondern dass von europäischer Seite eindeutig klar gemacht wird, dass Verträge und Vereinbarungen einzuhalten sind, und dass Pokern und Bluffen nicht zu dem ökonomischen Denken und Handeln gehören, die ich mir von europäischen Politikern erwarte. Wenn Sie Zeitungen wie Kathimerini lesen, würden Sie sehen, dass viele Griechen zu eben diesen Wertvorstellungen stehen und sich diese im eigenen Land sehnlichst wünschen.

  • Wir hatten schon einen Schuldenschnitt von 100 Mrd. Außerdem haben wir Kredite abgesichert von 300 Mrd. Außerdem bekommt Griechenland massiv Geld aus der EU. Kann mir mal einer sagen, wo das Geld ist? Haben die Griechen damit Industrien aufgebaut, Universitäten finanziert, Forschung bezahlt. Wenn die diese über 500 Mrd nicht sinnvoll investieren konnten, wer meint eigentlich dass die die nächsten 500 Mrd richtig ausgeben werden? Wir haben ganz Ostdeutschland mit 2 x 500 Mrd aus dem Dreck geholt und da ist es schon nicht mit rechten Dingen zugegangen. Wann ist endlich Schluss mit dem Verschenken "unserer" Zukunft?

  • Ich höre immer nur "Solidarität mit den armen Griechen". Ist da ein Vulkan ausgebrochen, ein Tsunami hat Athen vrernichtet? Keinesfalls, die Griechen sind in der Summe ein reiches Volk. Solidarität sollten sie wirklich einfordern, aber von ihren eigenen Leuten. Und wir solten ihnen dabei helfen in dem wir ihnen die Konten nennen wo das ujnversteuerte Schwarzgeld auf unseren Banken liegt. Sonst werden wir zu Komplizen der griechischen Parasiten. Warum geschieht das nicht? Müssen dann in Berlin ein paar Wohnblöcke wieder verkauft werden?

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