Yasukuni-Schrein besucht
Chinesen demonstrieren erneut gegen Koizumi

Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat am Montag erneut den umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio besucht und damit in China und Südkorea heftige Proteste ausgelöst. Der Besuch sei eine deutliche Provokation des chinesischen Volkes, sagte der chinesische Botschafter in Japan, Wang Yi.

HB TOKIO/PEKING. Koizumi untergrabe durch den Besuch in dem Shinto-Heiligtum in Tokio, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden, die bilateralen Beziehungen. In der chinesischen Hauptstadt riefen etwa ein Dutzend strengbewachter Demonstranten vor der japanischen Botschaft Slogans wie „Nieder mit Koizumi“ oder “Nieder mit dem japanischen Imperialismus“. Die Botschaft warnte derweil die Japaner in China vor möglichen heftigen Reaktionen. Japaner sollten sich von Orten fern halten, an denen es zu anti-japanischen Demonstrationen kommen könnte.

Die Empörung in China über die Totenehrung am Yasukuni-Schrein, die Kritik an einer Beschönigung der japanischen Gräueltaten in Schulbüchern und Vorwürfe über eine mangelnde Aufarbeitung seiner Kriegsgeschichte hatten im April in China zu teils gewalttätigen antijapanischen Demonstrationen geführt.

Koizumi hat die Gedenkstätte seit Amtsantritt 2001 einmal jährlich besucht. Er wies die Kritik auch an seinem neuen Besuch zurück. Ausländische Regierungen sollten sich heraushalten, wie Japan seiner Kriegstote gedenke, sagte er Reportern. Anders als bei früheren Besuchen gedachte der 63-jährige Regierungschef der Toten diesmal aber wie ein normaler Bürger am Altar und ging nicht in die Haupthalle. Er schien Geldmünzen in den Kollektenkasten zu werfen und betete für einen Moment, ohne wie beim Shinto-Ritual üblich in die Hände zu klatschen. Der japanische Regierungschef sagte später, der Besuch sei ihm eine Herzensangelegenheit und er habe für den Frieden gebetet.

Kürzlich hatte das Oberlandesgericht der japanischen Stadt Osaka Koizumis Yasukuni-Besuche als verfassungswidrig befunden, da sie gegen die Trennung von Staat und Religion verstießen. Der Spruch dieses Gerichts hat aber zunächst keine Konsequenz.

„Die chinesische Regierung ist absolut gegen jegliche Form dieser Besuche“, sagte Wang der Nachrichtenagentur Xinhua. Beobachtern zufolge gefährdet der jüngste Schrein-Besuch auch ein für diese Woche geplantes Treffen zwischen dem japanischen Außenminister Nobutaka Machimura und seinem chinesischen Kollegen Li Zhaoxing in Peking.

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