Yukos-Chef Chodorkowskij weiter in U-Haft
Der Kreml zieht durch

„Maski-Show“ nennen sie in Russland das Stürmen von Firmen und die Festnahme von Unternehmern durch maskierte Männer des Inlandsgeheimdienstes und KGB-Nachfolgers FSB. Jetzt wurde auch der auf 8 Mrd. $ Privatvermögen geschätzte reichste Russe, Michail Chodorkowskij, Opfer dieser Show.

MOSKAU. Bei einer Sibirien-Dienstreise wurde der Chef und Großaktionär des größten russischen Ölkonzerns Yukos am Samstagmorgen von Vermummten beim Tankstopp seines Privatflugzeugs in Nowosibirsk festgenommen und nach Moskau zum Verhör bei der Generalstaatsanwaltschaft gebracht. Chodorkowskij wurde dabei gestern erstmals auch persönlich und als Chef des Konzerns einer breit angelegten räuberischen Erpressung, der Steuerhinterziehung sowie wiederholten Betruges beschuldigt und kam am Abend in Untersuchungshaft.

„Sie haben Spezialeinheiten auf ihn angesetzt als sei er ein Terrorist“, bemäkelte Yukos-Sprecher Alexander Schadin das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt seit Juni im Yukos-Umfeld wegen Steuerhinterziehung, Betrug bei der Privatisierung eines Düngemittelwerks Mitte der 90er Morde und Auftragsmorden. Sie begründete Chodorkowskijs Festnahme zunächst damit, dass der 40-Jährige nicht zu einem am Freitag angesetzten Verhör erschienen sei erhob aber kurze Zeit später erstmals auch Betrugs- und Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen Chodorkowskij. Dabei sei der Staat um mehr als 1 Mrd. $ geschädigt worden.

Deshalb hat ein Moskauer Gericht einen Haftbefehl erlassen. Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft nannte den Yukos-Fall “ohne Vorbild, sowohl was den angerichteten Schaden als auch den Umfang der Ermittlungen angeht“. Der russische erste Staatskanal meldete am Abend, dass Chodorkowskij voraussichtlich für zunächst zwei Monate in U-Haft bleibe, was aber auf bis zu einem Jahr ausgeweitet werden könne.

Der zweitwichtigste Mann des Yukos-Imperiums, der Chef der in Gibraltar registrierten Menatep-Gruppe, Platon Lebedew, sitzt seit 2.Juli in Haft. Der Chef des Yukos-Sicherheitsdienstes, Alexej Pitschugin, bereits länger. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dabei mit rechtlich zweifelhaften Mitteln: So wurde das Büro eines Duma-Abgeordneten und Yukos-Aktionärs durchsucht, obwohl Mandatsträger einen Immunität genießen, die das Parlament zuvor aufheben müssten. Zudem wurden auch Anwaltspraxen von Yukos-Verteidigern und sogar ein von dem Ölkonzern finanziell unterstütztes Kinderheim von Maskierten durchsucht sowie der Lebedew-Anwalt und ein Geistlicher, der Pitschugin die Beichte abnahm, zum Verhör vorgeladen, was juristischen Normen widerspricht.

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