Yukos-Prozess
Investoren sorgen sich um Energiemarkt

Der Kampf um den Ölriesen Yukos hat auch erheblichen Einfluss auf Russlands künftige Rolle als Ölmacht. Denn Yukos ist nicht nur der größte Rohölexporteur des inzwischen im zweiten Jahr in Folge weltgrößten Erdölausfuhrlandes. Nach Ansicht von Analysten entscheidet der Ausgang der Yukos- und der Chodorkowskij-Prozesse auch über das weitere Investitionsklima im größten Flächenstaat der Erde.

mbr MOSKAU. Dabei wird Russland immer wichtiger für die Ölversorgung der Welt: Nach dem gestern vom britischen Ölmulti BP vorgelegten Welt-Energie- Report sind die russischen Erdölreserven 2003 um 3,1 Prozent auf 69,1 Mrd. Barrel gestiegen. Paul Collison, Ölanalyst der Schweizer Investmentbank Brunswick UBS in Moskau, hat sogar ausgerechnet, dass Russland über 180 Mrd. Barrel (Saudi-Arabien: 264 Mrd.) verfüge. Diese Reserven seien bisher untertrieben worden, weil nach den strengen Regeln der US-Börsenaufsicht Konzerne nur dauerhaft gesicherte Reserven angeben dürfen. In Russland haben Förderlizenzen aber eine Maximallaufzeit von 25 Jahren.

Im vorigen Jahr hat Russland mit 421,3 Mill. Tonnen geförderten Erdöls (plus elf Prozent) zum zweiten Mal in Folge die Saudis als weltgrößte Mineralölerzeuger abgehängt. In diesem Jahr werde die russische Ölproduktion um 5,5 Prozent steigen und bis 2020 sogar 560 Mill. Tonnen erreichen, prognostiziert Wirtschaftsminister German Gref. In diesem Jahr werde der Ölexport von 223 auf 242 Mill. Tonnen wachsen, im Jahr 2007 auf 260 Mill. Tonnen. Doch bis dahin müssen die großen neuen Ölleitungsrouten mindestens im Bau sein: vor allem eine Pipeline zum Pazifikhafen Nachodka zur Bedienung der asiatischen Märkte. Zudem geht es um die neue Nordroute zum Nordmeerhafen Murmansk zur Belieferung Europas und Amerikas.

Nach der Übernahme von 50 Prozent des russischen Ölkonzerns TNK durch BP für 7,7 Mrd. Dollar drängen auch andere westliche Multis gen Osten. So will Conoco-Phillips zumindest den 7,6-prozentigen Staatsanteil bei Branchenprimus Lukoil kaufen. Total und Shell wollen mit Gazprom ins Geschäft kommen wie bereits die BASF-Tochter Wintershall und die Eon-Tochter Ruhrgas. Doch ob weitere Engagements möglich sind, darf bezweifelt werden: Der weltgrößte Ölkonzern, Exxon Mobil, kämpft erbittert um den Erhalt seiner Förderlizenz vor der Pazifikinsel Sachalin. Viele westliche Unternehmen fragen sich, ob sie überhaupt noch in der russischen Energiewirtschaft erwünscht sind: Russland, so ist aus der Regierung zu hören, wolle künftig dafür sorgen, dass seine Ölproduzenten zuerst zum Zuge kämen und Ausländer allenfalls als Juniorpartner beteiligt würden.

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