Zahl der US-Toten im Irak übersteigt die Opfer von 9/11
Todesurteil gegen Saddam Hussein bestätigt

Das höchste Berufungsgericht das Todesurteil gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein bestätigt. Damit sehte die Hinrichtung des Diktators in Kürze bevor. Trotzdem gibt es für den amerikanischen Präsidenten Bush keinen Grund zur Zufriedenheit.

HB BAGDAD. Das höchste Berufungsgericht im Irak hat das Todesurteil gegen den früheren Staatschef Saddam Hussein bestätigt. Das teilte der nationale Sicherheitsberater Muwafak al Rubaie am Dienstag mit. Saddam Hussein war am 5. November wegen eines Massakers an Schiiten 1982 zum Tod durch den Strang verurteilt worden.

Die Entscheidung des Berufungsgerichts muss noch von Präsident Dschalal Talabani und seinen beiden Stellvertretern unterschrieben werden. Anschließend soll das Urteil innerhalb von 30 Tagen vollstreckt werden. Ein Sprecher des Sondertribunals, das über Saddam Hussein zu Gericht saß, erklärte, das irakische Justizsystem werde sicherstellen, dass Saddam Hussein hingerichtet werde, auch wenn Talabani oder einer der beiden Stellvertreter nicht unterzeichneten. Einzelheiten nannte er nicht.

Trotzdem gibt es für den amerikanischen Präsidenten Bush keinen Grund zur Zufriedenheit. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AP sind seit dem amerikanischen Einmarsch im Irak sind bis zum Dienstag 2974 US-Soldaten ums Leben gekommen - einer mehr als die Zahl der Todesopfer bei den Anschlägen vom 11. September 2001 beträgt. Ein Ende des amerikanischen Einsatzes im Irak ist nicht in Sicht. Zuletzt gaben die US-Streitkräfte den Tod von zwei Soldaten bei einer Bombenexplosion südwestlich von Bagdad am Montag bekannt.

Nach Angaben eines Mitarbeiters des Sondergerichts bestätigte das Berufungsgericht auch die Todesstrafen gegen Saddam Husseins Halbbruder Barsan Ibrahim, der zur Zeit des Massakers Geheimdienstchef war, sowie gegen den früheren Vorsitzenden des Revolutionsgerichts, Awad Hamed al Bandar. In diesem ersten Prozess gegen Saddam Hussein und andere führende Mitglieder seines Regimes, das 2003 gestürzt wurde, ging es um die Tötung von 148 Schiiten. Sie wurden damals in der Stadt Dudschail offenbar als Vergeltung für einen Attentatsversuch auf Saddam Hussein hingerichtet.

Den Angaben zufolge geht dem Berufungsgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe für den früheren Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan nicht weit genug. In einem Brief an das Sondertribunal werde die Todesstrafe für ihn gefordert. Der neunmonatige Prozess wurde im Fernsehen übertragen, Saddam Hussein wurde mehrfach des Saales verwiesen. Drei Verteidiger und ein Zeuge wurden getötet.

Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International hatten das Todesurteil gegen Saddam Hussein im November kritisiert. Der Prozess sei nicht fair und das Gericht nicht in der Lage gewesen, ein solches Verfahren zu handhaben, erklärte HRW und sprach von schwerwiegenden Verfahrensfehlern. Dem Sondertribunal habe das „grundlegende Verständnis für die Prinzipien eines fairen Prozesses“. Auch Menschenrechtsfachleute der Vereinten Nationen bezeichneten das Verfahren als nicht fair und forderten, das Todesurteil nicht zu vollstrecken.

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