Zardari gewinnt Abstimmung
Bhutto-Witwer neuer Präsident Pakistans

Der amtierende Vorsitzende der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP) wird neuer Präsident Pakistans. Eine Versammlung aus Mitgliedern beider Parlamentskammern und den Abgeordneten aus den vier Provinzen wählte Asif Ali Zardari am Samstag zum Nachfolger des zurückgetretenen Pervez Musharraf.

HB ISLAMABAD. Nach einer ersten Auszählung stimmte sowohl in Unterhaus und Senat als auch in drei von vier Provinzparlamenten eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten für den 52-jährigen Witwer der ermordeten früheren Regierungschefin Benazir Bhutto. Nach Bestätigung des Ergebnisses durch die staatliche Wahlkommission soll Zardari in den kommenden Tagen als Nachfolge des vor knapp drei Wochen zurückgetretenen Präsidenten Pervez Musharraf werden. Überschattet wurde die Wahl von einem verheerenden Selbstmordanschlag im unruhigen Nordwesten des Landes, bei dem mindestens 30 Menschen starben.

In der pakistanischen Bevölkerung ist der zukünftige Präsident wegen zahlreicher Gerichtsverfahren und Gefängnisaufenthalte umstritten. Die Anschuldigungen gegen Zardari reichen von Korruption und Geldwäsche bis zu Erpressung und Mord. So gilt er seit Mitte der 90er Jahre als „Mister 10 Prozent“, denn als Minister in der Regierung Benazir Bhuttos soll er ein illegales Million-Vermögen ins Ausland geschleust haben. Insgesamt verbrachte er mehr als acht Jahre hinter Gittern, rechtskräftig verurteilt wurde er jedoch nie.

Zardari galt bereits vor der Wahl als Favorit für die Nachfolge von Musharraf. Die beiden Kandidaten der Opposition hatten keine Aussicht auf Erfolg. Zardari erhielt nach einer ersten Auszählung 482 von 702 möglichen Stimmen in der Wahlversammlung. Der Oberhaus- Abgeordnete und frühere Journalist Mushahid Hussain Syed war für die Musharraf-treue Muslim-Liga Quaid (PML-Q) angetreten. Er kam auf 44 Stimmen. Die Muslim-Liga Nawaz (PML-N) von Ex-Premier Nawaz Sharif hatte den ehemaligen Richter Saeeduz Zaman Siddiqui nominiert, der 154 Stimmen auf sich vereinen konnte. Zudem errang er in der östlichen Provinz Punjab die absolute Mehrheit.

Die europäische Kommission begrüßte die Wahl Zardaris. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am Samstag in Brüssel: „Ich vertraue darauf, dass die Regierung unter Ihrer Präsidentschaft die geeigneten Maßnahmen ergreifen wird, um die Herausforderungen im Bereich von Wirtschaft und Sicherheit zu meistern.“

Insgesamt waren 1170 Volksvertreter zur Wahl aufgerufen. Aufgrund einer komplizierten verfassungsrechtlichen Formel hat das Votum der einzelnen Abgeordneten jedoch unterschiedliches Gewicht. So verfügen die Provinzparlamente über jeweils 65 Stimmen, obwohl sie zum Teil erheblich mehr Abgeordnete haben. Daher werden in der Wahlversammlung nur 702 Stimmen vergeben.

Bei dem Selbstmordanschlag am Samstag starben nach Polizeiangaben mindestens 30 Menschen, als ein Attentäter sein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug an einem Kontrollpunkt außerhalb der Stadt Peshawar in die Luft sprengte. Mehr als 80 weitere Menschen seien mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht, mehrere Fahrzeuge und zwei Häuser zerstört worden. In die Straße sei ein riesiger Krater gerissen worden. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat. Die Region an der Grenze zu Afghanistan gilt als Hochburg radikal-islamischer Extremisten, die sich in den vergangenen Wochen zu mehreren blutigen Anschläge in pakistanischen Städten bekannt haben.

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