ZDF-Talk

Seidene Härte bei Illner

Einmal mehr hat Maybrit Illner über die Eurokrise diskutiert. Dabei zeigten sich die Gäste ungewohnt sachlich. Nicht einmal Jürgen Trittin und Christian Lindner mochten sich so richtig streiten.
  • Christian Bartels
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DüsseldorfSo viel Sachlichkeit herrschte selten in der laufenden Talkshowsaison. Maybrit Illners kräftig pink-violetter Lippenstift war das mit weitem Abstand Farbigste an der Sendung gestern abend. (Per Twitter wurde sogar die Frage aufgeworfen, ob die "Maskenbildnerin besoffen" ist). Ansonsten ging es trotz des kämpferischen Titels „Zocker an den Pranger - ran an die Banken, raus aus der Krise?“ sehr sanft zu in der Talkrunde.

„Wir geben das Geld viel zu billig in ineffiziente Strukturen hinein“, sagte gleich am Anfang und sehr gelassen der gern in Talkshows geladene Bank- und Börsenwesen-Professor Wolfgang Gerke, dessen rote Fliege den anderen Farbtupfer abgab. So demonstrierte er, dass entschiedene Argumente am besten wirken, wenn man sie auf ruhige Art vorträgt. Und alle anderen in der fünfköpfigen Runde schienen sich daran zu orientieren.

Selbst die beiden nebeneinander platzierten Parteipolitiker, der Grüne Jürgen Trittin und FDP-Generalsekretär Christian Lindner (wahrscheinlich der weltweit aller-Talkshow-erfahrenste Unter-40-Jährige), wetteiferten in gedeckten Anzügen mit staatsmännischem Ernst um die Gunst des in Zentralhandwerkspräsident Otto Kentzler personifizierten Mittelstands, anstatt sich miteinander zu zoffen. Der nahm beider Aussagen meist zufrieden zur Kenntnis.

„Europa ist overbanked“
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8 Kommentare zu "ZDF-Talk: Seidene Härte bei Illner"

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  • So verhalten sich Politiker, wenn sie von zu erwartenden Sanktionen bedroht sind: Sie werden kleinlaut und bescheiden, prahlen nicht mit Propagandasprüchen oder Kompetenzen, über die sie nicht verfügen.

  • Bei Illner werden Kleinkinder nicht friedlich einschlafen. Die werden von Langeweile zusammenbrechen!

  • Vertreter aus der eigenen Bevölkerungen würden klarer diskutieren können, als diese ganze Lobbyisten- und Politikerkaste! Ein einfaches Gespräch mit irgendwelchen fremden Leuten auf der Straße zeigt, dass die Wut bald auf der Straße zu explodieren scheint. Dabei haben die meisten einfachen Bürger einfache und wirksame Mittel, die nur einer richtigen Persönlichkeit braucht, diese auf Bundesebene durchzusetzen! Wobei der Ruf nach Zerspaltung des Bundes auch immer wieder auf der Straße zu hören ist!!!

  • Eine gute und interessante Talkrunde.
    Sie hat Spass gemacht. Also nur weiter so!

  • Illner ist noch eines der besseren Formate. Auffallend: Trittin wird immer "staatstragender", nicht unbedingt zu seinem Nachteil.
    Probleme: Lasst endlich die Studiogäste mit ihrem dämlichen Geklatsche außen vor. Das Thema "Euro" ist zu ernst, um wie in der Zirkusmanege behandelt zu werden. Weitere Nachteile: Keiner der Diskutanten kennt sich wirklich im "Bankgeschäft bzw. mit der Börse" aus. Auch die unsägliche Babbel-Journalistin (Zahnarzt wäre mal überfällig) und der altkluge Professor nicht. Warum wird z.B. nicht einmal der sehr kenntnisreiche und gut argumentierende Bank-Analyst Folker Hellmeier von der Bremer Landesbank eingeladen? Durch einen Diskutanten wie ihn würde mehr praktisches Wissen in eine Talk-Runde eingebracht werden. Was teilweise über Bankgeschäfte gesagt wurde zeigte, daß die meistn Diskutanten das Metier im Kern gar nicht verstehen. Beispiel: Lehman war eine reine Investmentbank. Dann mahnte man deren Rettung im nachhinein an. was doch im Trennbanksystem eigentlich niemand will. Widerspruch über Widerspruch bei Politikern. Ob Trennsystem oder Unversalbanksystem spielt im Kern auch gar nicht die Rolle. Durch eine Trennung vermeidet man keine systematische Risiken. Das muß man vielmehr über Eigenkapitalanforderungen machen, egal ob Universal- oder Trennbank! Allein Trittin sprach es plastisch an. Das würde aber gerade die kleinen Unternehmen bei der Kreditvergabe treffen (Kenzler)! Es gibt eben keine Patentrezepte. Und nochmal zum Mitschreiben: Wir haben eine Staatsschuldenkrise, weil Länder der Euro-Zone über ihre Verhältnisse gelebt haben, und es keinen Wechselkurs mehr gab, der ihnen das unmißverständlich und permanent angezeigt hätte. Deshalb ist der Euro-Raum ja eine völlige Fehlkonstruktion und gehört neu sortiert. Banken sind jetzt Betroffene: Die Verluste entstanden hier nicht durch "Spekulation", sondern durch Kreditabschreibungen. Das ist etwas ganz anderes.

  • Die einzige Talkrunde mit einem gewissen Maß an Erkenntnisgewinn ist die Phoenix-Runde. Die kann man empfehlen - wobei sie wahrscheinlich auch leiden würde, sobald sie bekannter und von den dauerschwätzenden Nichtssagern aus der ersten Politikreihe und den Profitalkgästen überrannt würde...

  • Illner: Schlimmer gehts nimmer... das Gequatsche von Illner entspricht der Kompetenz einer Vorstandssekretärin. Sie sollte bei der 'heute'-Sendung bleiben.

  • Talkshows dienen einzig und allein dazu das Kleinkinder friedlich einschlafen. Anstatt zusätzlich Normalbürger
    mit einzuladen die was zu sagen haben, bleibt man lieber unter sich und geht nach der Show zusammen ein Bier trinken. Zwangsbezahlfernsehen ist was ganz tolles. Es ist wie mit Zockerbanken man lebt Sorgenlos.

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