ZDF-Talk
Zur Euro-Krise fällt Maybrit Illner wenig Neues ein

Maybrit Illner wird immer besser darin, Diskussionen in dem Moment abzuwürgen, wenn sie spannend werden können. Immerhin waren ihre Gäste zum Thema Griechenland-Krise diesmal überdurchschnittlich gut gecastet.
  • 37

BerlinDie Themen Banken, Griechenland, Staatsbürgschaften wurden bekanntlich schon einige dutzend Male im deutschen Fernsehen diskutiert, ohne dass das anderen als den Talkshow-Produzenten geholfen hätte. Maybrit Illners gestrige ZDF-Talkshow mit dem Titel "Griechen pleite, Banken in Not - Wer rettet den Steuerzahler?" jedoch war zumindest bestens gecastet: neben dem Standard & Poor's-Deutschlandchef Torsten Hinrichs trat Wolfram Siener auf, der am Wochenende die US-amerikanische "Occupy Wall Street"-Bewegung nach Deutschland importieren möchte ("Occupy Frankfurt"). Dazu kamen telegene Talk-Koryphäen wie Dirk Müller ("Mister DAX") und die stellvertretende Linkspartei-Vorsitzende Sahra Wagenknecht. Was könnte ein solch spektakulär besetzte Sendung daran hindern, hochspannend zu verlaufen?

Was sie hindern könnte, wurde schon bei der Vorstellung der weiteren Gäste deutlich: Es war erstens deren Vielzahl und zweitens der Umstand, dass eben Maybrit Illner moderierte. Außerdem im Studio saßen der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing (als Gegengewicht zu Wagenknecht), der routinierte Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer (als Gegengewicht zu Müller), sowie der noch routiniertere Moral- beziehungsweise Alles-Mögliche-Experte Ulrich Wickert, dessen neuestes Buch "Redet Geld, schweigt die Welt" heißt. Das Talent der Moderatorin, sich unter ihren Gästen entwickelnde Diskussionen in dem Moment resolut abzuwürgen, in dem sie spannend werden könnten, nimmt inzwischen besorgniserregende Ausmaße an. Und Wickert assistierte ihr dabei ganz gut.

Nicht nur einmal unterbrach Illner Erkenntnis versprechende Kontroversen zwischen dem pointensicheren Müller ("Die Bürger müssen die Politik zwingen, Grenzen zu setzen, die Politik kann das nicht mehr") und dem bedächtigen Bankenlobbyisten Kemmer, indem sie ältere Aussagen Josef Ackermanns oder Angela Merkels in die Runde warf. Und als sie gegen Ende endlich den Ratingagenturen-Vertreter Hinrichs in die Diskussionsrunde geholt hatte, den sie zuvor im Einzelinterview mit der Lehman-Pleite 2008 nicht hatte aus der Ruhe bringen können, übernahm wiederum Müller diesen Job, und zwar kräftig. Als "private amerikanische Unternehmen" würden die Ratingagenturen ja auch die geostrategischen Interessen Washingtons mit durchsetzen, sagte er.

Hinrichs begann, mit Hinweisen auf die S&P-Mitarbeiter in Frankfurt, Paris und anderswo zu kontern. Illner sagte, dass der DGB-Chef Michael Sommer (der nicht im Studio saß und von dem zuvor überhaupt nicht die Rede gewesen ist) ja auch gerade gesagt hätte, die wirkungsvollsten Waffen der USA seien die Ratingagenturen - damit war auch dieses Gesprächsthema abgehakt.

Seite 1:

Zur Euro-Krise fällt Maybrit Illner wenig Neues ein

Seite 2:

Immer wieder offene Kontroversen

Kommentare zu " ZDF-Talk: Zur Euro-Krise fällt Maybrit Illner wenig Neues ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jaja, die Welt ist sehr sozialsistisch geworden... .

    Unternehmens- und Reichensteuern runter, Löhne runter, Lohnquote runter, Arbeitslosigkeit hoch, Gewinne hoch, Rentenalter rauf, 17 neue Milliardäre allein in DE... .

    Sozialistsich...ich lach mich tot.

  • @nutzauchnix

    Hohe Lohnabschlüsse tat nicht viel zur Sache.
    Gerne behauptet, aber falsch

  • Herr M. Kemmer war überflüssig in diser Sendung.
    Die BayernLB mit den Laien der CSU an die Wand gefahren, ging mit vollen Taschen und nun
    Hauptgeschäftsführer und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes deutscher Banken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%