Zehn Jahre nach US-Invasion: Irak weiter in der Krise

Zehn Jahre nach US-Invasion
Irak weiter in der Krise

Noch immer wird der Irak nahezu jede Woche von Anschlägen erschüttert. Regelmäßig sterben dabei dutzende Menschen. Auch zehn Jahre nach der US-geführten Militärinvasion, kommt das Land nicht zur Ruhe.
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Bagdad Der Krieg im Irak dauerte offiziell nur wenige Wochen. Am 20. März 2003 erfolgte der Einmarsch, bereits am 9. April fiel die Hauptstadt Bagdad, und am 1. Mai erklärte der damalige US-Präsident George W. Bush die militärische Mission für erfüllt. Doch viele Probleme begannen damit erst. Aufständische verübten immer öfter Attentate und richteten regelrechte Blutbäder an. Nach einem Anschlag auf den schiitischen Al-Askari-Schrein in Samarra am 22. Februar 2006 eskalierte die Gewalt noch einmal umfassend. Insgesamt wurden bei religiös motivierten Auseinandersetzungen weit mehr als 100.000 Menschen getötet.

„Es gab die vorgeschobenen Argumente, die Massenvernichtungswaffen, die Verbindungen zu Al-Kaida, die Bedrohungen für die Sicherheit der Vereinigten Staaten“, sagt Crispin Hawes, beim Londoner Beratungsunternehmen Eurasia Group für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig, mit Blick auf die Invasion. „Das sieht jetzt alles lächerlich aus“, ergänzt er. Zudem gab es nach Hawes' Ansicht „das Argument, dass der Irak nicht nur ein US-Verbündeter, sondern zum wirtschaftlichen Wachstumsmotor für die gesamte Region“ werden könne. „Dies alles wirkt nun fürchterlich ironisch“, sagte Hawes.

Viel wird dieser Tage wieder über die falsche Behauptung diskutiert, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen besessen, auf deren Grundlage die USA, Großbritannien und ihre Verbündeten in den Irak einmarschierten. In Deutschland dreht sich die Debatte zudem wieder und wieder um die Weigerung der damaligen rot-grünen Bundesregierung, an dem Einsatz teilzunehmen. Den Menschen im Irak erscheinen diese Streitigkeiten nach Ansicht vieler Beobachter jedoch als abgehoben. Sie sehen vor allem, dass der Prozess der politischen Aussöhnung nicht vorankommt und sie sich ihres Lebens nicht sicher sein können.

Ob es um Gebietsstreitigkeiten im Norden des Iraks oder die Verteilung der Einnahmen aus dem Energiesektor geht, zahlreiche Probleme bleiben weiterhin ungelöst und sorgen für Gewalt. Die Bevölkerung leidet unter einer mangelhaften Versorgung mit öffentlichen Gütern und unter hoher Arbeitslosigkeit. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki schafft es mit seiner zerstrittenen Regierung nicht, wegweisende Gesetze auf den Weg zu bringen. Seit drei Monaten gibt es deswegen regelmäßig Massenproteste, zuletzt trat der sunnitische Finanzminister Rafi al-Issaui aus Protest zurück.

Hoffnung setzen Experten weiterhin vor allem auf den irakischen Ölsektor, der Bagdad hohe Einnahmen beschert und weiter wächst. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass der Irak in den kommenden Jahrzehnten den weitaus größten Beitrag zum Anstieg der weltweiten Ölproduktion leisten wird. Vorschläge zur Verwendung der Einnahmen gibt es viele, etwa für den Bau von Wohnungen, neuen Flughäfen oder Sportstadien. Völlig unklar ist jedoch, wie Wohlstand bei den Menschen direkt ankommen soll. Bisher bemängeln Experten in der staatlichen Verwaltung vor allem zwei Dinge - Inkompetenz und Korruption.

Von einer Demokratie nach westlichem Vorbild kann in Bagdad angesichts einer dauerhaften Regierungskrise und tiefgreifender politischer Zerwürfnisse zwischen den Parteien keine Rede sein. Auch nach Abzug der US-Truppen Ende 2011 dümpelt der Irak allem Anschein nach weiter ziellos vor sich hin.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • „Die Befreiung“ der Völker geht weiter!

    „Geheime Dokumente zeigen, dass Iraks Diktator Saddam Hussein in Laboren eine neuartige Atombombe entwickelt hat, deren Auswirkung noch verheerender als bisher ist“. So ging es mit Medienhysterie bzw. Politikmanipulation, um Regimewechsel in Irak zu betreiben!

    Nun, in einem Bericht des US-Senats steht, dass „die irakische Führung kein aktives Atomprogramm und auch kein mobiles Labor zur Herstellung biologischer Waffen gehabt hat“. Weiter: „…Saddam hatte niemals Verbindungen zu Al-Kaida und sah die islamistischen Extremisten von Bin Laden als Bedrohung für seine Führung“.

    Aber die Lüge, dass Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt, trug der damalige US-Außenminister Powell sogar der UN vor. Nun, was ist die Bilanz? Mehr als eine Million Tote, unzählige Verwundete, Verstümmelte, Verkrüppelte, Verstrahlte, Verarmte. Und all dies, um der Öllobby ungehinderten Zugang zu den irakischen Quellen zu sichern?! Um zu garantieren, dass das Öl weiterhin gegen US-Dollar gehandelt wird?! Um sicherzustellen, dass kein Land es in Zukunft wagen wird, sich gegen die Interessen der Finanzlobby zu stellen?!

    Nach dieser Bilanz dürfen wir uns heute nicht wundern, wenn sich ein Großteil der Iraker nach Saddam zurück sehnt! Und Großteil der Europäer den Lügen über weitere Befreiungsmissionen und manipulierten Regimewechseln nicht glaubt!

  • Tja Amerika,
    freuen wir uns über jeden toten Amerikaner - oder auch Verletzten - und auch nur ein lahmer Daumen begleitet einen das ganze Leben -
    Man schätzt allein die Folgekosten auf 1 Bill. Dollar
    Tja Amerika,
    Krieg führen ist teuer, doch gottseidank - vielleicht überlegt sich die Marktwirtschaft Amerika sich das - beim nächsten sicheren Male

  • Da hat Bush was angerichtet, was nie wieder gutzumachen ist.
    Natürlich war Saddam ein Diktator, aber man hätte damals besser die Opposition unterstützen sollen. Ruhig und im Hintergrund
    Heute ist dieses Land quasi unregierbar und den Menschen geht es um Längen schlechter als zu Saddams Zeiten. Was ist das in den letzten Jahren überhaupt für ein Wahn, dass die westl. Welt sich einbildet, sie hätten die Weisheit mit dem Löffel geschluckt und nur sie, die westl. Welt, seien demokratisch und müßten sich überall einmischen
    Es wid höchste Zei, dass diese Institutionen wie UNO und auch die NATO mal neu geordnet werden.
    Wir haben überhaupt kein Recht ständig in andere Länder einzufallen
    Würde Russland so was tun, da wäre das Geheule aber riesig.
    Was also bilden wir uns ein, so was zu machen?
    Und ja, Afghanistan wird nach Abzug der Truppen genau so werden wie der Irak.
    Afghanistan ist der größte Rauchgift-Lieferant der Welt, die Mohnfelder wrden unter den Augen der westlichen Truppen angebaut, das ist abartig
    Wir haben Milliarden verpulvert für nichts und wieder nichts.
    Diese Länder müssen sich alle selbst helfen

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