Zehn Tote in Lagos
Unruhen in Nigeria weiten sich aus

Zu Beginn der zweiten Woche des Generalstreiks gegen eine Benzinpreiserhöhung in Nigeria ist es am Montag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden nach Gewerkschaftsangaben in Lagos, der größten Stadt des westafrikanischen Landes, zehn Demonstranten von der Polizei erschossen.

Reuters LAGOS. Nur wenige Tage vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush weiteten sich die Protestaktionen auch auf die Stadt Uyo in der Ölförderregion im Südosten Nigerias aus. Die Ölausfuhren des weltweit achtgrößten Ölexporteurs sind von dem anhaltenden Ausstand bisher nicht beeinträchtigt: Der Ölpreis lag kaum verändert bei 27,67 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter).

Streikführer Adams Oshiomhole sagte vor der Presse in der Hauptstadt Abuja: „Es wurde bestätigt, dass die Polizei zehn Menschen in Lagos getötet hat. Das ist verabscheuungswürdig und inakzeptabel“. Dagegen erklärte der Polizeisprecher von Lagos, Emmanuel Ighodalo, der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Polizei hat niemanden getötet. Alles hat friedlich stattgefunden. Es wurde nicht einmal jemand verletzt.“

Die Regierung von Präsident Olusegun Obasanjo habe in dem Streit um die Benzinpreiserhöhung einen neuen Kompromiss unterbreitet, fügte Oshiomhole hinzu. Dieser erfülle aber weiterhin nicht die Forderungen des Gewerkschaftsdachverbandes NLC. Das Exekutivkomitee des NLC werde beraten, ob dieser Vorschlag akzeptiert oder zurückgewiesen wird.

Hoffnungen auf eine rasche Einigung zwischen Regierung und Gewerkschaften hatten sich am Wochenende zerschlagen und so erneut Sorgen vor Öl-Lieferengpässen genährt. Die Gewerkschaften hatten gedroht, den Streik notfalls auch auf die Öl-Verladestationen des Landes auszuweiten. Der NLC hatte angekündigt, den Streik so lange fortzusetzen, bis die Regierung ihren Kompromissvorschlag von 35 Naira (rund 20 €-Cent) je Liter auf 32 Naira zurücknimmt. Die Anhebung des Benzinpreises auf 40 von zuvor 26 Naira hatte den Generalstreik ausgelöst. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist zwar Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), muss aber wegen zu geringer Raffineriekapazitäten Benzin importieren.

Demonstranten blockierten am Montag die wichtigsten Straßen der 13-Millionen-Stadt Lagos und setzten zahlreiche Reifenstapel in Brand, um ihrem Unmut über die Benzinpreiserhöhung der Regierung Ausdruck zu verleihen. „Überall lodern Feuer“, sagte Reuters-Fotograf George Esiri.

Aus Uyo berichteten Einwohner, Demonstranten hätten Autos in Brand gesteckt und plünderten Geschäfte und Wohnhäuser. Sie seien nicht organisiert und die Polizei scheine nicht in der Lage zu sein, die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Wegen des Streiks sind bereits Seehäfen, Geschäfte und Banken geschlossen worden. Nigeria führt täglich mehr als zwei Mill. Barrel Öl aus. Hauptkunde des Landes sind die USA. Es wurde erwartet, dass Bush bei seinem Besuch in dieser Woche auch Gespräche über die Sicherstellung der Öllieferungen in die USA führen werde. Bislang ist der Besuch durch den Generalstreik nicht gefährdet. Am Montag zog der Ölpreis nur leicht an. Ein Barrel der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im August kostete mit 27,67 Dollar vier Cent mehr als Ende vergangener Woche.

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