Zehnter Todestag: Der Mythos Mitterrand lebt

Zehnter Todestag
Der Mythos Mitterrand lebt

François Mitterrand, ehemaliger Präsident der Französischen Republik, hat sich schon zu Lebzeiten Denkmäler gesetzt. Zehn Jahre ist der bislang einzige sozialistische Präsident der V. Republik nun tot – sein Mythos aber ist lebendiger denn je.

PARIS. Jarnac ist eine kleine, verträumte 5000-Seelen-Gemeinde im Westen Frankreichs. Am kommenden Sonntag wird das Städtchen aus seinem Alltagstrott gerissen: Frankreichs Polit-Prominenz hat sich angekündigt. Für die Führungsspitze der französischen Sozialisten bis zum bürgerlichen Ex-Premierminister Jean-Pierre Raffarin ist es Ehrensache, am zehnten Todestag von François Mitterrand dem Ex-Präsidenten an seinem Grabe die Aufwartung zu machen.

Zehn Jahre ist er der bislang einzige sozialistische Präsident der V. Republik nun tot – sein Mythos aber ist lebendiger denn je. Laut einer Umfrage halten die Franzosen Mitterrand gar für den besten Präsidenten der V. Republik – Mitterrand lässt damit den legendären General de Gaulle hinter sich. Mythos Mitterrand: Er schaffte die Todesstrafe ab, ließ aber politische Gegner und Journalisten illegal abhören. Er führte die Vermögensteuer ein, bediente sich aber des staatlichen Ölkonzerns Elf als schwarze Kasse. Er einte die politische Linke, pflegte aber seine Freundschaft zu René Bousquet, dem Polizei-Chef des verhassten Vichy-Regimes, das mit den Nazis kollaborierte.

Zweifellos zählt François Mitter-rand zu den schillerndsten Politikern, die Frankreich je vorgebracht hat. Und genau das macht einen Teil seiner Faszination aus, meint Stéphane Rozès, Direktor beim Umfrage-Institut CSA, das die Beliebtheitsumfrage für die Zeitung „Libération“ durchgeführt hat. Allein vergangenes Jahr wurden 20 Bücher über Mitterrand veröffentlicht, der Kino-Film über seine letzten Tage war ein Kassenschlager.

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