Zeitplan gerät ins Wanken
Schweden blockiert Ostsee-Pipeline

Die Pläne für die Ostsee-Gasleitung aus Russland zum deutschen Greifswald geraten immer mehr ins Schwimmen. Nach dem Fundamental-Widerstand der baltischen Staaten zusammen mit Polen und einer als unvermeidlich geltenden Kostenexplosion ist jetzt auch noch die schwedische Regierung massiv auf die Bremse getreten.

STOCKHOLM. „Zu so etwas Unvollständigem kann unsere Regierung nicht Stellung nehmen“, meinte Umweltminister Anders Carlgren über die Projektunterlagen des russisch-deutsch-niederländischen Konsortiums Nord Stream. Er hat sie erst mal einfach wieder zurückgeschickt.

Das ist Gift für den Zeitplan bei der Milliarden-Investition, mit der der russische Gazprom-Konzern und seine Partner ab 2011 von Wyborg aus über 1 200 Kilometer Gas zur westeuropäischen Kundschaft pumpen wollen. Die Schweden verlangen vor der gewünschten Zustimmung zur Leitung unweit ihrer Ferien-Insel Gotland unter anderem, dass Nord Stream die möglichen Umwelt-Konsequenzen für die komplette Strecke offenlegt. Neben unzureichend geklärten Einzelproblemen wie etwa Gefahren durch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg am Ostsee- Grund missfällt der Stockholmer Regierung vor allem, dass Nord Stream keine Unterlagen über eine mögliche Pipeline-Alternative an Land in seinen Unterlagen abhandelt.

Solche Alternativen müssen aber nach schwedischem Recht bei Groß- Projekten unter Umweltgesichtspunkten geprüft werden. Und genau dies, eine Leitung an Land, fordern unter sicherheits- und energiepolitischen Gesichtspunkten auch Polen und die baltischen Staaten. Nord Stream mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder an der Spitze seines Aktionärsausschusses (Aufsichtsrat) hat dies stets abgelehnt. Carlgren will die Unterlagen für die Ostsee-Pipeline noch nicht mal an die zuständigen Fachbehörden weiterleiten, ehe sie nicht komplett vorliegen: „Die volle Beweislast liegt nun bei Nord Stream.“

Der erste Anlauf sei doch „überraschend lückenhaft“ ausgefallen. Stockholmer Zeitungen zählten am Mittwoch auf, wie bei früheren und wesentlich kleineren Projekten in Schweden die entsprechenden Genehmigungsverfahren mindestens anderthalb Jahre in Anspruch genommen hatten.

In der Nord-Stream-Zentrale im schweizerischen Zug formulierte Pressesprecher Jens Müller diplomatisch zurückhaltend, dass diese Nachrichten aus Stockholm alles andere als gut für das geplante Gasgeschäft sind: „Ohne ein konstruktives Miteinander wächst der Zeitdruck.“ Nord Stream sei nun gefordert, Stockholm alle ausstehenden Untersuchungsergebnisse zu übermitteln.

Das dann anstehende Warten auf betulich prüfende schwedische Behörden-Spezialisten allerdings passt schlecht zusammen mit den weltweit explodierenden Preisen für Stahlröhren und extrem engen Kapazitäten beim boomenden Bau von Unterwasserleitungen. Die Hälfte der Röhren ist schon bestellt. Gerade erst hat Schröder erklärt, dass die bisher berechneten Kosten von fünf Milliarden Euro wohl auf acht Milliarden Euro klettern werden. Und in wenigen Wochen will Nord Stream den genauen Zeitplan für die Bauarbeiten am Grund der Ostsee veröffentlichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%