Zeitungsbericht nach dem Anschlag in Ankara
Polizei identifiziert die Selbstmordattentäter

Bei dem Attentat auf eine Friedensdemonstration in Ankara starben 97 Menschen. Einem Bericht zufolge haben die Ermittler die Täter inzwischen identifiziert. Die Staatsanwaltschaft hat den Medien einen Maulkorb verpasst.

AthenDie türkischen Ermittler wissen jetzt offenbar, wer die beiden Selbstmordattentäter waren, die am vergangenen Samstag bei einer Friedensdemonstration in der Hauptstadt Ankara über 100 Menschen mit sich in den Tod rissen. Die mutmaßlichen Täter sollen Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gehabt haben. Das berichtete am Mittwoch die Zeitung „Hürriyet Daily News“ auf ihrer Internetseite. Eine Quelle für diese Informationen nannte die Zeitung nicht. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu brachte dagegen erneut auch die kurdische PKK als möglichen Drahtzieher ins Gespräch: Es gebe Hinweise auf Verbindungen zum IS, aber auch zur PKK, so Davutoglu gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Man ermittle gegen beide Organisationen.

Am späten Mittwochnachmittag verhängte die Staatsanwaltschaft von Ankara eine Nachrichtensperre. Medienberichte über den Stand der Ermittlungen sind damit in der Türkei bis auf weiteres verboten. Bereits am Wochenende hatte die türkische Justiz die Veröffentlichung von Fotos und Videoaufnahmen von dem Anschlag und Aufnahmen vom Tatort untersagt. Die Justiz des Nato-Landes, das über einen EU-Beitritt verhandelt, hat in den vergangenen vier Jahren den Medien in mehr als 150 Fällen solche Maulkörbe verpasst.

So wurde die Berichterstattung über das schwerste Grubenunglück in der jüngeren Geschichte des Landes ebenso untersagt wie Veröffentlichungen zu Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung. Der Terroranschlag und die jetzt verhängte Zensur überschatten den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Sonntag, zwei Wochen vor der geplanten türkischen Parlamentswahl, zu Gesprächen mit Premierminister Davutoglu und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach Istanbul kommen will.

Laut „Hürriyet Daily News“ wurden die beiden mutmaßlichen Attentäter anhand des Abgleichs von DNA-Spuren am Tatort identifiziert. Einer von ihnen soll Yunus Emre Alagöz sein. Er war bereits kurz nach dem Attentat als möglicher Täter genannt worden. Es handelt sich um einen Bruder von Seyh Abdurrahman Alagöz, der am 20. Juli bei einem ganz ähnlich angelegten Selbstmordattentat auf eine Versammlung kurdischer Aktivisten in der Stadt Suruc nahe der Grenze zu Syrien 33 Menschen tötete. Die beiden Alagöz-Brüder sollen sich 2014 in Syrien dem IS angeschlossen haben. Nach ihrer Rückkehr in die Türkei gehörten sie offenbar zu einer IS-Zelle in der südosttürkischen Stadt Adiyaman. Nach dem Anschlag von Suruc, bei dem sich sein Bruder in die Luft sprengte, war Yunus Emre Alagöz untergetaucht.

Bei dem anderen mutmaßlichen Attentäter handelt es sich nach dem Bericht von „Hürriyet Daily News“ um Ömer Deniz Dündar. Sein Name habe auf einer Liste von 21 möglichen Selbstmordattentätern gestanden, die der Polizei vorlag, berichtete die Zeitung. Nach Aussage seines Vaters war Dündar 2013 nach Syrien gegangen, im Jahr darauf zurückgekommen, acht Monate später aber erneut in Syrien untergetaucht.

Sein Vater berichtete, er habe die Polizei im vergangenen Jahr auf die möglichen Verbindungen seines Sohnes zum IS aufmerksam gemacht und aufgefordert, ihn festzunehmen. „Ich habe ihnen gesagt: steckt ihn ins Gefängnis!“, sagte der Vater der Internetzeitung „Radikal“. „Aber sie haben ihn nach einem Verhör wieder entlassen, und acht Monate darauf ist er wieder nach Syrien gegangen“, so der Vater.

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