Zeitungsbericht
Nordkoreas Provokationen dauern an

Die Empörung der internationalen Gemeinschaft kümmert Nordkorea wenig: Nachdem erst kürzlich eine Kurzstreckenrakete getestet wurde, plant Machthaber Kim Jong Il offenbar schon den nächsten Affront. Einem Zeitungsbericht nach bereitet das Land den Abschuss einer Interkontinentalrakete vor. Nicht nur die USA reagieren erzürnt.

HB SEOUL. Das kommunistische Nordkorea will offenbar weiter zündeln. Nach seinem weltweit verurteilten Atomtest trifft das Regime in Pjöngjang südkoreanischen Berichten zufolge möglicherweise wieder Vorbereitungen für den Start einer Interkontinentalrakete. Es gebe Anzeichen dafür, dass Nordkorea ein Objekt, das mit Sicherheit eine Interkontinentalrakete sei, bereits per Güterzug zur Abschussrampe Musudan-ri an der Ostküste schaffe, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Samstag unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Die Startvorbereitungen könnten in zwei Wochen abgeschlossen sein.

US-Verteidigungsminister Robert Gates warnte unterdessen das Regime in Pjöngjang wegen der jüngsten Atombomben- und Raketentests vor Konsequenzen. Bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur bekräftigte er zugleich, dass die USA kein atomar aufgerüstetes Nordkorea akzeptieren würden.

Bei dem beobachteten Flugkörper in Nordkorea handele es sich vermutlich um eine veränderte Version einer Taepodong-2-Rakete, die theoretisch auch US-Territorium erreichen kann, berichtete Yonhap. Ausgangspunkt für den Transport sei ein Waffenforschungszentrum nahe der Hauptstadt Pjöngjang. Das Objekt habe in etwa die Größe derjenigen Rakete, die Nordkorea Anfang April abgeschossen habe.

Die Länder in der Region und in den USA befürchten, dass Nordkorea ungeachtet der Warnungen und Kritik an seinem Verhalten weiter provozieren wird. Als Reaktion auf die Verurteilung des Starts einer Rakete mit hoher Reichweite am 5. April durch den Weltsicherheitsrat hatte Nordkorea weitere Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen angedroht. Nordkorea hatte selbst von einem „Satellitenstart“ gesprochen. Auch der zweite nordkoreanische Atomtest vom Montag wurde einstimmig vom höchsten UN-Gremium verurteilt. Die Verhandlungen über eine Resolution gegen Pjöngjang dauern noch an.

Man werde nicht tatenlos zusehen, während Nordkorea sich die Möglichkeit schaffe, „Zerstörungen an jedem Ort in Asien - oder bei uns - anzurichten“, sagte Gates in Singapur. Zugleich äußerte er die Befürchtung, dass das nordkoreanische Atomwaffenprogramm zu einem Rüstungswettlauf in der Region führen könnte. Südkoreas Verteidigungsminister Lee Sang Hee warnte nach einem Treffen mit Gates in Singapur, dass Seoul und Washington die Geduld mit Nordkorea verlieren würden. „Wir sind müde, Nordkorea immer wieder die gleichen Geschichten zu erzählen und dass Nordkorea durch schlechtes Verhalten nichts gewinnt“, wurde Lee von der Agentur Yonhap zitiert.

Am Freitag hatte die nordkoreanische Volksarmee nach südkoreanischen Berichten bereits die sechste Rakete von kurzer Reichweite seit dem Atomtest abgefeuert. Auch drohte Nordkorea für den Fall einer Strafe der UN für den Atomtest mit weiteren Maßnahmen zur „Selbstverteidigung“. Weil Nordkorea zudem am Mittwoch Südkorea Militäraktionen androhte, sind die Streitkräfte des Nachbarlandes und die dort stationierten US-Truppen in erhöhter Alarmbereitschaft.

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