Zentralafrika
Bundeswehr soll sich an EU-Einsatz beteiligen

Deutschland will sich laut einem Medienbericht an einem Einsatz in Zentralafrika beteiligen. Die Bundeswehr soll demnach Lufttransporte in das Krisenland übernehmen. Berlin reagiert damit auch auf Kritik der Nachbarn.
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BerlinDie Bundesregierung erwägt einem Medienbericht zufolge ein deutlich stärkeres Engagement der Bundeswehr in den Krisenstaaten Mali und Zentralafrikanische Republik. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet am Samstag, die deutsch-französische Brigade solle die bereits laufende Ausbildungsmission in Mali verstärken und Schutzaufgaben übernehmen. Zudem würden deutsche Streitkräfte einen europäischen Militäreinsatz in Zentralafrika mit Transportflugzeugen und Luftbetankung unterstützen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist eine Ausweitung des Afrika-Engagements noch offen. „Das Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt sind in laufenden Gesprächen, es ist nichts entschieden“, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag. Falls am Montag beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel die Entscheidung für einen Einsatz falle, beginne die Planung.

Die Bundeswehr unterhält bereits ein Ausbilder-Kontingent in Mali. Für die Zentralafrikanische Republik hatte die Bundesregierung bisher nur angeboten, Truppen und Material in ein Nachbarland zu transportieren. Der Zeitung zufolge wird nun angeboten, direkt in die Hauptstadt Bangui zu fliegen.

EU-Vertreter hatten am Freitag gesagt, auf dem Treffen der EU-Außenminister werde voraussichtlich die Entsendung von bis zu 1000 Soldaten beschlossen, um die vom Bürgerkrieg bedrohte Zentralafrikanische Republik zu stabilisieren. Die Vereinten Nationen haben vor einem Völkermord in dem Land gewarnt, falls die internationale Gemeinschaft ihr Engagement nicht ausweitet. Das Land versinkt seit einem Putsch muslimischer Rebellen 2013 im Chaos. Morde und Plünderungen der Aufständischen haben zu Vergeltungsaktionen christlicher Milizen geführt.

In Mali ist Frankreich bereits mit mehreren Tausend Soldaten vertreten. Islamistische Gruppen sind dort wieder präsenter, nachdem sie zunächst zurückgedrängt worden waren.

Die Zeitung berichtete, zwischen Deutschland und Frankreich werde durchgespielt, auch Soldaten aus dem in Immendingen stationierten Artilleriebataillon 295 und aus dem Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen nach Mali zu entsenden. Es würde sich um den ersten umfassenden Einsatz der deutsch-französischen Brigade handeln. Außerdem sei vorgesehen, dass die in Mali engagierten EU-Nationen das Militär des Landes aufrüsteten. Dabei solle Deutschland keine Waffen liefern, sondern malische Truppen mit Kleidung und LKWs ausstatten.

In die Zentralafrikanische Republik wolle die Bundeswehr keine Bodentruppen entsenden, schrieb die Zeitung. Das Mandat für die Bundeswehr werde konkret und begrenzt gefasst werden, um Druck auf die lokalen Streitkräfte aufzubauen, ihre Sicherheit selbst zu organisieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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