Zentralafrikanische Republik
Frankreich schickt neue Soldaten in Konflikt

Die Lage beruhigt sich seit Jahren kaum, deshalb greift Frankreich erneut durch: Das Land schickt neue Soldaten in das ehemalige Kolonialgebiet der Zentralafrikanische Republik, eine UN-Resoultion könnte folgen.
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ParisFrankreich will rund 1.000 zusätzliche Soldaten in die von Chaos und Gewalt beherrschte Zentralafrikanische Republik schicken. Ziel sei eine kurzfristige Unterstützung der Friedenstruppen aus den afrikanischen Staaten, kündigte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Dienstag in Paris an. Die Soldaten sollten für rund sechs Monate zu denjenigen 450 französischen Militärs stoßen, die bereits im Land sind.

Als Grundlage des Einsatzes ist eine neue Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vorgesehen. Ein Entwurf wird seit Montag in New York diskutiert. Die Entscheidung soll bis Ende nächster Woche fallen.

Le Drian sprach gegenüber dem Sender Europe 1 von einem „Massaker“, das in der Zentralafrikanischen Republik gestoppt werden müsse. Es gehe um den „Zusammenbruch eines Staates und die Tendenz zu einer religiösen Auseinandersetzung“. Das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Séléka hatte im März Präsident François Bozizé gestürzt. Der neue Staatschef Michel Djotodia löste Séléka später auf, doch Rebellengruppen verüben weiter Gewalttaten. Die Mehrheit der Christen in dem Land hat inzwischen "Selbstverteidigungsgruppen" gegründet, die wiederum Muslime attackieren.

Die Gewalt in dem Land hängt auch mit der Schwäche der heimischen Streitkräfte zusammen. Frankreich legt aber Wert darauf, dass es in seiner Ex-Kolonie nur unterstützend eingreift und nicht wie im westafrikanischen Mali eine massive Militäroffensive startet. Im UN-Sicherheitsrat reichte Paris am Montagabend einen Resolutionsentwurf ein, um die bereits vor Ort stationierte multilaterale MISCA-Mission afrikanischer Staaten zu stärken und daraus eine UN-Blauhelmtruppe zu machen. Bisher waren vor allem die USA und Großbritannien nicht bereit, eine neue Friedenstruppe für Afrika zu finanzieren.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte am Montagabend die Entsendung von 6.000 bis 9.000 Blauhelmen in das Land in Aussicht gestellt. Nach Einschätzung der UNO könnte die Krise in dem Land ohne rasches Eingreifen „unkontrollierbar“ werden und ein „religiöser und ethnischer Konflikt“ zwischen Muslimen und Christen entstehen. Die Zentralafrikanische Republik könnte ansonsten auch zu einer „Brutstätte für Extremisten und bewaffnete Gruppen“ werden, warnte die UNO.

Die französische Resolution, die nächste Woche beschlossen werden könnte, würde der MISCA-Truppe den Einsatz von Gewalt zum Schutz von Zivilisten und zur Wiederherstellung der Sicherheit erlauben. Dem Entwurf zufolge wäre eine Dauer von zunächst sechs Monaten vorgesehen.

Bisher ist die Mission der Afrikanischen Union (MISCA) mit rund 2.500 Soldaten im Einsatz. Mittelfristig soll deren Zahl auf 3.600 steigen. Frankreich ist bislang mit rund 410 Soldaten am Flughafen der Hauptstadt Bangui präsent.

Angesichts der politischen und humanitären Krise hatte Frankreich in der vergangenen Woche vor der Gefahr eines Völkermords gewarnt. Es herrsche „absolutes Chaos“ mit zahlreichen bewaffneten Banden, es gebe viel zu wenig Ärzte, die Kindersterblichkeit sei teilweise extrem hoch, und anderthalb Millionen Menschen hätten nichts zu essen, hatte der französische Außenminister Laurent Fabius erklärt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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