Zentralbank erhöht Leitzins
Israels Wirtschaft hat die Krise überstanden

Die Wirtschaft in Israel kommt gut aus dem Tief und steht vor einer Trendwende. Die Erholung ist offenbar so weit fortgeschritten, dass die Zentralbank des Landes am Montag den Leitzins erhöhen konnte, und zwar von bisher 0,5 auf jetzt 0,75 Prozent – ein wichtiges Indiz, dass das Schlimmste überstanden ist. Einen Nachteil hat die schnelle Erholung allerdings.

JERUSALEM. „Die Krise ist zwar noch nicht vorbei, doch Israel ist auf dem Weg, sie hinter sich zu bringen“, hatte zuvor schon der israelische Finanzminister Yuval Steinitz gesagt. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes ist im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um ein Prozent gewachsen, nachdem es in den zwei vorhergehenden Quartalen geschrumpft war. Die Zentralbank schreibt dies zumindest teilweise der Robustheit des Bankensektors zu, der die weltweiten Erschütterungen der Finanzmärkte relativ unbeschadet überstehen konnte.

Im Gegensatz zu Amerika hatte Israel vor der Krise keine Überhitzung des Kreditmarktes erlebt, und der Bankensektor erlitt relativ wenig Schaden. Als sich die ersten Anzeichen der Krise bemerkbar machten, reagierte die Zentralbank schnell. Noch vor Beginn der jüngsten Krise hatte der Notenbank-Gouverneur den Banken nahegelegt, ihre Kapitalausstattung zu erhöhen. Dies erlaubte es ihnen, die Krise zu meistern.

Aufgrund der vorliegenden Statistiken prognostizieren nun sowohl das Finanzministerium als auch die Notenbank für das laufende Jahr zwar noch ein Schrumpfen der Wirtschaft von einem bis eineinhalb Prozent, für 2010 jedoch ein Wachstum in der selben Größe. Auch der monatlich von der Notenbank berechnete Index zum Zustand der Wirtschaft ist ermutigend: Er stieg im Juni um 0,6 und im Juli um 1,2 Prozent. Zwischen Juni 2008 und April 2009 war er jeden Monat negativ ausgefallen, im Mai lag er knapp über Null.

Im Arbeitsmarkt kann Israel ebenfalls eine leichte Besserung verzeichnen. Zum ersten Mal seit Mai vergangenen Jahres stieg die Zahl der Arbeitssuchenden im Juli nicht und liegt nun stabil bei etwa 210 000 Arbeitslosen; das entspricht einer Quote von 7,6 Prozent. Der Direktor des staatlichen Arbeitsamtes meint jedoch, dass noch nicht von einer Kehrtwende gesprochen werden könne. Auch Industrieminister Binyamin Ben-Eliezer warnte vor verfrühter Zuversicht. „Die positiven Statistiken müssen sich erst einmal bestätigen, und auch für die 210 000 Arbeitslosen müssen Jobs beschafft werden.“

Dass der Abschwung kurz und milde ausfiel, hat aber auch einen Nachteil. Die Preise in Israel beginnen nun schneller zu steigen als in anderen entwickelten Ländern, und erste Warnsignale einer Inflation machen sich bemerkbar. Im Juli stiegen die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent. Seit Beginn des Jahres erreichte die Teuerung schon 3,3 Prozent. Infolge der tiefen Zinssätze und der erhöhten Inflation flüchteten Sparer und Anleger in den vergangenen Monaten in risikoreichere Anlagewerte, was eine erhöhte Volatilität der Börse zur Folge hatte.

Im Sommer ist die israelische Währung ungewollt stark im Wert gestiegen. Mit dem Argument, dass die Aufwertung des israelischen Schekels eine Anomalie des Marktes sei, begann die Zentralbank Anfang August massiv Dollar zu kaufen. Der Wechselkurs stieg daraufhin zeitweilig auf fast vier Schekel pro Dollar, doch wurden die Dollarkäufe nach einigen Tagen eingestellt, und die Abwertung kam bald wieder zum Stillstand. Zurzeit liegt der US-Dollar bei etwa 3,80 Schekel. Auf dem Tiefststand – im November 2005 – betrug der Wechselkurs 4,75 Schekel pro Dollar.

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