Zentralbankchef
Italiens Regierung will Fazio loswerden

Nachdem erneut schwere Vorwürfe gegen Zentralbankchef Antonio Fazio erhoben wurden, will die Regierung in Rom nun Konsequenzen ziehen. Sie dringt auf dessen Ablösung. Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte, er wolle das Mandat für den Zentralbankgouverneur zeitlich begrenzen.

HB ROM. Dazu rief er für kommenden Dienstag eine außerordentliche Kabinettssitzung ein. Nur wenige Stunden zuvor hatten italienische Medien berichtet, die Staatsanwaltschaft in Mailand habe Ermittlung wegen des Verdachts von Insidergeschäften gegen Fazio eingeleitet.

Auch Wirtschaftsminister Giulio Tremonti erhöhte den Druck und forderte Fazio kaum verhüllt zum Rücktritt auf: „Entweder macht der Gouverneur einen Schritt zurück oder das Parlament macht einen Schritt nach vorn.“ Er fügte hinzu: „Was in der Bank von Italien geschieht, ist nicht mehr hinzunehmen.“ Fazio ließ in einer Erklärung der Zentralbank verbreiten, er habe „im Rahmen der Gesetze gehandelt und habe ein absolut ruhiges Gewissen“.

Nach geltendem italienischen Recht ist Fazio Anfang der 90er Jahre auf Lebenszeit zum Zentralbankchef bestellt worden. Im Sommer hatte er sich massiven Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Regierung erfolgreich widersetzt.

Nach Informationen der Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ soll Fazio im Zuge des Übernahmekampfes um die italienische Banca Antonveneta im Sommer vertrauliche Informationen an Vertraute des inzwischen inhaftierten Bankiers Gianpiero Fiorani weitergegeben haben. Fiorani war damals Chef der Banca Popolare Italiana (BPI), die gegen die niederländische Bank ABN Amro den Übernahmekampf um Antonveneta zunächst gewonnen hatte.

Fazio wird bereits seit längerem vorgehalten, er habe versucht, ABN Amro auszustechen und die italienische BPI zu begünstigen. In dieser Sache ermittelt die Staatsanwaltschaft Rom bereits seit längerem wegen Amtsmissbrauch. Auch die Europäische Zentralbank hatte sich bereits mit dem Fall beschäftigt, ein direktes und offenes Vorgehen allerdings bisher vermieden.

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